Mittwoch, 19. Dezember 2018

Metabox Bewährungsstrafe für den Ex-Chef

Vor vier Jahren lancierte Metabox eine falsche Ad-hoc-Mitteilung. Zu dieser Erkenntnis kamen jetzt die Richter am Hildesheimer Landgericht. Stefan Domeyer, Ex-Chef des einstigen Börsenstars, kommt mit einer Bewährungsstrafe davon und will dennoch in Berufung gehen.

Hildesheim - Das Hildesheimer Landgericht hat den früheren Metabox-Chef Stefan Domeyer wegen Kursmanipulationen zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Der 42-Jährige hat nach Ansicht der Richter im April 2000 mit falschen Angaben in einer Ad-hoc-Mitteilung den Kurs der damals am Neuen Markt notierten Metabox-Aktie Börsen-Chart zeigen in die Höhe getrieben. Das Gericht ordnete am Donnerstag außerdem die Zahlung von 10.000 Euro an.

 Beteuerte seine Unschuld: Ex-Metabox-Chef Stefan Domeyer
Beteuerte seine Unschuld: Ex-Metabox-Chef Stefan Domeyer
Die Hildesheimer Metabox AG wollte den Internet-Empfang mit Hilfe so genannter Set-Top-Boxen über das Fernsehgerät ermöglichen. In der Pflichtmitteilung kündigte das Unternehmen den Verkauf von 50.000 Set-Top-Boxen durch ein nicht näher benanntes Unternehmen an. Nach Erkenntnis der Richter gab es zu diesem Zeitpunkt jedoch nur einen unverbindlichen Vorvertrag mit einem israelischen Unternehmen.

"Die Kammer hat keinen Zweifel, dass die Ad-hoc-Meldung unrichtig war", sagte der Vorsitzende Richter Klaus Moeller während der Urteilsbegründung. Das Geschäft wurde nie abgewickelt. Metabox ging später in Konkurs. "Der Angeklagte hat die Ad-hoc-Mitteilung zielgerichtet am Vorabend der Bilanzpressekonferenz veröffentlicht, um von den negativen Meldungen des Vorjahres abzulenken", erklärte Moeller.

Nach der Ad-hoc-Meldung stieg der Kurs von Metabox auf mehr als das doppelte an. Die Wirtschaftsstrafkammer zeigte sich überzeugt, dass der sprunghafte Kursanstieg durch die Mitteilung über den vermeintlichen Großauftrag ausgelöst worden war. "Alles andere anzunehmen, wäre lebensfremd", sagte Moeller.

Domeyer nahm die Urteilsbegründung mit Missfallen auf: Er tippte sich während der Ausführungen Moellers mehrfach mit dem Finger auf die Stirn. Der 42-Jährige hatte die Vorwürfe immer wieder bestritten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidigerin Claudia Riedel kündigte an, Revision einzulegen.

"Es ist überhaupt kein Motiv erkennbar, warum Herr Domeyer eine falsche Ad-hoc-Meldung hätte abgeben sollen", meinte Riedel. Der frühere Vorstandsvorsitzende jobbt nach dem Zusammenbruch seiner Firma auf der Kart-Bahn eines Freundes in Braunschweig und lebt außerdem von seinen Ersparnissen.

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