Freitag, 16. November 2018

Familie Schadeberg Flasche leer, Kasse voll

2. Teil: Erfolge wecken Begehrlichkeiten

Die Wende kommt mit einem neuen Mann, Günter Heyden. Von 1980 bis 2001 führt der ehemalige Melitta-Marketingchef die Brauerei. Sowohl beim weiteren Ausbau der Distribution über das gesamte Bundesgebiet und des Absatzweges Gastronomie als auch bei der Führung der Marke stellte Heyden sein Können unter Beweis. Sein Traumziel, die Fünf-Millionen-Liter-Marke, verfehlt aber Heyden.

Natur, Sport und Bier: Krombachers Landschaftsmotiv ist als TV-Werbung vor Champions-League-Spielen zu sehen
Anders sein Nachfolger: Bernhard Schadeberg (39), studierter Betriebswirt, der Anfang 2001 das operative Geschäft übernahm, knackte zwei Jahre später die magische Marke. Schadeberg junior wird dabei weiterhin von seinem Vater Friedrich Schadeberg (83) unterstützt. Der Senior lässt es sich nicht nehmen, den unter anderem mit Henkel-Chef Ulrich Lehner besetzten Beirat anzuführen und noch täglich seiner Arbeit im Büro nachzugehen. Kurzum: Der Patriarch hält weiter die Fäden in der Hand, bei strategischen Weichenstellungen geht nichts ohne ihn.

Dass Vater und Sohn seit Jahren nur so vor Selbstbewusstsein strotzen, hat einen einfachen Grund: Die Geschäfte laufen exzellent. So vermeldeten die Siegerländer jüngst einen Rekordabsatz für das erste Halbjahr 2004. Trotz kühlen Wetters und Konsumflaute verkaufte Krombacher so viel Bier und Mischgetränke wie noch nie. Der Ausstoß stieg gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 3,1 Prozent. Vielmehr haben sich Bernhard Schadeberg und sein Vater aber die Hände gerieben, als sie im Jahre 2002 Dauerkonkurrent Warsteiner hinter sich lassen konnten.

Werbekampagne kostet mehr Geld als gedacht

Diese Erfolge wecken bei der auswärtigen Konkurrenz Begehrlichkeiten. Wie der zahlungskräftigen belgischen Interbrew Börsen-Chart zeigen, der britischen Scottish & Newcastle oder Anheuser-Busch Börsen-Chart zeigen aus den Vereinigten Staaten. Doch das Siegerländer Führungstandem hat schon 2002 alle Übernahmegerüchte lässig vom Tisch gewischt. "Wir haben alle Anfragen klar und freundlich beantwortet", erzählte Bernhard Schadeberg, der einem nüchtern kalkulierenden Investmentbanker deutlich mehr ähnelt als einem hemdsärmeligen Braumeister.

Auch dieses Jahr untermauerten die Familiengesellschafter nochmal ihre Absicht, ihr Unternehmen nicht verkaufen zu wollen. Der Gesellschaftsvertrag, mit dem sich die Familie an das Unternehmen gebunden hat, soll auch in der Zukunft nicht angetastet werden. Statt an feindliche Übernahmen einen Gedanken zu verschwenden, stecken die beiden lieber ihre Kraft in einen Werbefeldzug. Mit der "Rettet den Regenwald"-Kampagne und der Werbefigur Günther Jauch, haben sie viel Aufmerksamkeit erreicht - allerdings zu einem hohen Preis.

Die Siegerländer erlitten wegen der Werbung mehrere Niederlagen vor Gericht. Erst Ende Mai diesen Jahres entschied das Siegener Landgericht, dass die Werbung der Brauerei aus dem Jahr 2003 gegen das Wettbewerbsrecht verstößt. Krombacher habe nicht erklären können, wie mit dem Kauf eines Kastens Bier ein Quadratmeter Regenwald geschützt wird. Schon im Jahr 2003 hatte Krombacher mehrere Verfahren verloren. Gegen die Brauerei waren Ordnungsgelder von 375.000 Euro verhängt worden.

Deutschland, deine Unternehmer: Alle Porträts


Seite 2 von 2

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH