Freitag, 14. Dezember 2018

Familie Müller Droge Drogerie

Anfangs noch Friseur stieg Erwin Müller bald zu einem der größten Drogerie-Mogule Deutschlands auf. Nachdem er um ein Haar gescheitert wäre, lernte er, nur noch einer Person zu vertrauen: sich selbst. Heute hat der 71-Jährige Schwierigkeiten, von der Macht zu lassen.

Hamburg - Es sind Unternehmerfamilien, die Deutschlands erfolgreichste Drogerieketten führen. Allen voran Branchenprimus Schlecker mit seinem unerbittlichen Antreiber Anton Schlecker und dessen härteste Rivalen Rossmann aus Hannover sowie DM mit Gründer Götz Werner aus Karlsruhe. Und nicht zu vergessen: die Müller-Handelskette, die sich in Süddeutschland ausgedehnt hat.

Erwin Müller:
Drogist, Caféhausbetreiber und Segelflieger
Fast allen ist gemein: Die Drogeriedynastien sind nicht von der Krankheit familiengeführter Unternehmen schlechthin, dem offenen Streit unter den Mitgliedern, infiziert. Mit einer Ausnahme - der Müller-Handelskette. Unternehmenschef Erwin Müller und sein Sohn Reinhard beharken sich ganz offensichtlich schon seit Monaten.

Aktuell scheint es fast so, als wolle der Senior den Junior aus dem Unternehmen drängen. Zumindest, das steht fest, hat Erwin die Einflussmöglichkeiten von Reinhard stark eingeschränkt. Der Vater hat dafür einfach aus seiner Müller GmbH & Co. KG eine in London ansässige Müller Ltd. & Co. KG gemacht. Dort sind zwar beide als Geschäftsführer eingetragen, aber die Müller Management Ltd. nimmt den Platz als Komplementär ein, den bislang Sohn Reinhard innehatte. Die Änderung auf Komplementärsseite verhilft dem Vater, wieder voll durchgreifen zu können.

"Ulmer Figarostreit" machte die Runde

Die Eskalation der ernsthaften Reibereien, zu denen sich weder der Patriarch noch der Filius gegenüber manager-magazin.de äußern wollen, zeigt eines deutlich: Der 71-Jährige will offensichtlich das Zepter der Macht nicht aus der Hand geben. Dabei geht er keinem Streit aus dem Weg. Das zeigen einige Beispiele aus der Vergangenheit, die Müller senior selten zum Vorteil gereichten.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

Wer sind die Unternehmer im Lande? Wie haben sie ihre Firmen zum Erfolg geführt? Unter dem Titel "Deutschland, deine Unternehmer" stellt manager-magazin.de die Gestalter unserer Wirtschaft vor. Alle bereits erschienenen Porträts
Gleich zu Beginn seiner Karriere, als der gebürtige Bayer ins Friseurhandwerk einstieg, machte die Posse um den "Ulmer Figarostreit" die Runde. Damals lag Müller senior im Clinch mit der Friseur-Innung. Der nichtige Anlass bestand darin, dass Müller seinen Coiffeursalon entgegen der Absprachen in der Münster-Stadt partout auch montags öffnen wollte. Das Ergebnis: Müller wurde aus der Innung ausgeschlossen.

Der beruflichen Karriere als Drogist tat der Streit keinen Abbruch. Bald darauf wurde Hugo Mann, der Gründer der SB-Warenhauskette Wertkauf, auf den "Rebell von Ulm" aufmerksam. Mann suchte für seine Warenhäuser noch einen Konzessionär für den Bereich Friseur/Parfümerie. Und Müller schien ihm offenbar der passende Aspirant. 1968 - etwa zeitgleich zum Start der ersten Rossmann- und DM-Märkte - eröffnete Müller sein erstes Geschäft in einem Wertkauf-Haus.

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