Freitag, 14. Dezember 2018

Familie Müller Droge Drogerie

2. Teil: Unruheherd, Energiebündel und Genießer

Ein Schlüsselerlebnis aus dieser Zeit sollte sein Handeln bis heute prägen. Eines der Wertkauf-Center fiel einem Feuer zum Opfer. Müller stand kurzzeitig vor dem Ruin, die Banken zeigten sich nicht gewillt, ihm aus der Patsche zu helfen. Müller zog aus der leidigen Erfahrung mit den Geldinstituten die Lehre, dass er sich auf nichts und niemanden verlassen dürfte. Auf die Frage, wie er sein Imperium mit heute 400 Filialen, 1,7 Milliarden Euro Umsatz und 16.000 Angestellten ohne Fremdkapital hochpäppelte, sagte er der "Südwest Presse": "Arbeiten, arbeiten, arbeiten." Der Rest sei Betriebsgeheimnis.

Clever, Clever:
Müller hat sich frühzeitig die Internetadresse www.mueller.de gesichert
Der Mann ist kein großer Schwätzer, kein Mann der großen Worte. Dafür ein Unruheherd und Energiebündel, der noch im hohen Alter die Treppen in den dritten Stock seiner gläsernen Unternehmenszentrale nimmt. Aufzug fahren? Kommt nicht in Frage, kostet Zeit. An Erwin Müller entdeckt man, beim genaueren Hinsehen, aber auch noch eine andere Seite, die des Genießers.

Um dem Alltag zu entfliehen, setzt er sich in ein Segelflugzeug und fliegt dem Himmel entgegen. Aber auch hier zeigt sich sein Ehrgeiz. Wie ist es anders zu erklären, dass er Rekorde aufstellt und zusammen mit fünf weiteren Flugbegeisterten einen Gleiter entworfen hat, der von Flügelspitze zu Flügelspitze nicht weniger als 30,90 Meter misst? Der doppelsitzige Supersegler heißt Eta - in der Welt der Technik definiert der griechische Buchstabe "Eta" den größtmöglichen Wirkungsgrad.

"Es war Liebe auf den ersten Blick

Geschäftsgeist bewies der Drogeriekönig, als er sich auf Mallorca einen eigenen Golfplatz errichtete. Statt selbst zu spielen, lässt Müller lieber andere einlochen. Darauf deutet die folgende Anekdote: Der Verleger Hubert Burda fragte Müller einst: "Wollen wir eine Runde golfen?" Müller: "Tut mir Leid, ich spiele kein Golf." Burda: "Wie schade, das ist einer der schönsten Plätze der Welt." Müller: "Ich weiß. Er gehört mir."

Ein Faible für schöne Dinge offenbarte Müller ebenfalls, als er das legendäre Budapester Kaffeehauses Gerbeaud samt 6000 Quadratmeter Bürofläche und dazu noch eine Großbäckerei am Stadtrand kaufte. "Es war Liebe auf den ersten Blick", beschied er den Medien. Mit Millionenaufwand sanierte er das im 19. Jahrhundert gegründete und nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichte Café, das immer noch zum Besuchsprogramm eines jeden Touristen gehört.

Müller wäre nicht Müller, würde er nicht in erster Linie an den unternehmerischen Erfolg denken. Wie 1973, damals erhielt er den Zuschlag für das gesamte Drogeriesortiment bei Wertkauf, und war damit nicht mehr nur einfacher Konzessionär. Dabei schlug er keinen Geringeren als den DM-Gründer Götz Werner aus dem Feld. Der Deal hatte allerdings einen Haken: Wertkauf-Chef Mann gewährte Müller damals nur dreimonatige Verträge. Das gefiel dem Ulmer nicht und so eröffnete er 1973 seine erste eigene Filiale. Zehn Jahre später waren es bereits über 100 Standorte.

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