Montag, 10. Dezember 2018

Familie Simon Geschlossene Mannschaftsleistung

Internationale Brau-Multis schüttelten den deutschen Biermarkt zuletzt kräftig durch. Gegen den Trend stemmt sich die traditionsreiche Bitburger-Gruppe. Ihr Vorteil: Die Gründererben halten zusammen wie Pech und Schwefel.

Hamburg - Als die Bitburger Brauerei ihren Werbespot mit der Deutschen Nationalmannschaft für die Europameisterschaft in Portugal drehte - das waren noch Zeiten. Ein Carsten Ramelow grient in die Kamera, ein Oliver Neuville wirft lässig den Ball zum Teamchef, ein Christian Rahn staunt jungenhaft und ein Slavo Freier verkneift sich schelmisch ein Lächeln.

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Jetzt zu Beginn des vielleicht wichtigsten Sportereignisses 2004 in Europa, sieht der Kader um einiges anders aus. Ramelow? Nicht dabei. Neuville? Nicht dabei. Freier? Nicht dabei. Rahn? Nicht dabei. Was für DFB-Teamchef Rudi Völler und Kompagnon Michael Skibbe reichlich ärgerlich ist, kann für die Brauerei aus der Eifel als Künstlerpech, als unvorhersehbare Werbepanne gewertet werden.

Spötter könnten nun behaupten: Das kommt davon, wenn man keinen gesteigerten Wert auf Publicity legt als eigentlich verschwiegene Getränkegruppe mit noch mehr verschwiegenen Eigentümern, von denen die meisten nicht mit Bild in der Öffentlichkeit existieren.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Andere, ernsthaftere Menschen werden sagen: Es gibt keinen Grund zur Aufregung oder zur Häme. Schließlich steht die Bitburger-Gruppe wie eine Eins im Deutschen Biermarkt da und schlägt Konkurrenten zum Beispiel in Sachen Profitabilität aus dem Feld. Mehr noch: Der Getränkeriese behauptet sich auch gegen die ausländische Konkurrenz. Und Niederlagen in der Geschichte oder aktuelle Schwächen anno 2004 sind so rar gestreut wie Biertrinker am Nordpol.

Dabei war der Aufstieg zum Getränketitan keineswegs abzusehen und langsam und beschwerlich. Ein gewisser Johann Peter Wallenborn gründete 1817 eine Brauerei in Bitburg - die Keimzelle der heutigen Gruppe. Mehr als 4000 Hektoliter kamen damals nicht aus den Anlagen. Heute kommt Bitburger allein beim Bier auf acht Millionen Hektoliter - und bringt mittlerweile sogar den angestammten Platzhirschen Warsteiner ernsthaft in Bedrängnis. Bei Fassbieren sind die Bitburger sogar unangefochtene Spitzenreiter.

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