Mittwoch, 21. November 2018

Karriere "Grüßen Sie immer den Hausmeister"

In ihrem neuen Buch "Das Job-Lexikon" beschreibt Susanne Reinker kluge Finten und tückische Fettnäpfchen für Berufseinsteiger. Im Interview erklärt die Managerin, warum man Sekretärinnen und Hausmeister nie ignorieren darf, Zwiebelsuppe tückisch ist und der Opernbesuch für den Aufstieg entscheidend sein kann.

Frage:

Sie haben Ihrem Buch den Untertitel "Erste Hilfe für den Berufsstart" gegeben. Passieren dabei denn so viele Unfälle?

 Susanne Reinker , 41, ist Diplom-Übersetzerin und hat lange als Führungskraft in der Filmbranche gearbeitet. Ihr Buch "Das Job-Lexikon. Erste Hilfe für den Berufsstart" ist soeben bei dtv erschienen. Es erklärt in 400 Stichwörtern das Einmaleins des Berufseinstiegs
Ulli Reinker
Susanne Reinker, 41, ist Diplom-Übersetzerin und hat lange als Führungskraft in der Filmbranche gearbeitet. Ihr Buch "Das Job-Lexikon. Erste Hilfe für den Berufsstart" ist soeben bei dtv erschienen. Es erklärt in 400 Stichwörtern das Einmaleins des Berufseinstiegs
Reinker: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass junge Leute, die gerade aus der Ausbildung kommen, viel Fachwissen mitbringen, es ihnen aber am psychologischen und organisatorischen Handwerkszeug mangelt. Sie brauchen sehr lange, um sich in dem neuen Universum - Job und Arbeitswelt - zurechtzufinden. Ich habe selbst fast alle Fehler gemacht, die in diesem Buch stehen. Warum sollen andere Leute dieselben Fehler machen?

Frage: Wo lauern die fiesesten Fettnäpfchen?

Reinker: Fast alle Fettnäpfchen haben mit mangelnder sozialer Kompetenz zu tun. Gerade gut ausgebildete Hochschulabsolventen - so genannte High Potentials - machen sich nicht klar, dass soziale Kompetenz im Beruf ebenso wichtig ist wie fachliche Qualifikationen. Diese High Potentials haben oft fantastische Praktika gemacht, in den Prüfungen sehr gut abgeschnitten, waren im Ausland und sind auf all dies sehr stolz. Nur vergessen sie manchmal darüber, dass sie nicht nur den Herrn Direktor grüßen sollten, sondern auch die Praktikantin oder den Hausmeister. Wenn jemand ständig nur nach oben hin freundlich ist, kann es sein, dass er eines Tages buchstäblich im Dunkeln steht, weil der Hausmeister keine Lust hat, seine kaputte Neonröhre auszutauschen.

Frage: Ist Höflichkeit nicht selbstverständlich?

Reinker: Eigentlich gehört es zur Herzensbildung, jeder Mensch sollte so erzogen sein. Meine Berufserfahrung hat mir aber gezeigt, dass solche Dinge nicht selbstverständlich sind. So gibt es Kollegen, die im persönlichen Gespräch ständig auf die Uhr schauen, statt ihrem Gegenüber zuzuhören. Das zeigt eine mangelnde Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen. Jeder Mensch hat etwas Aufmerksamkeit verdient und spürt, wenn sie ihm nicht entgegengebracht wird. Wer sich nicht für andere interessiert, nicht zuhört, sich nicht gelegentlich anpasst, schadet seiner Karriere, ob er nun sehr kompetent ist oder nicht.

Frage: Treten Hochschulabsolventen eher zu forsch auf oder zu zurückhaltend?

Reinker: Meistens zu forsch. Ein gutes Beispiel sind die Routinearbeiten, die in jedem Betrieb anfallen. Angehenden Führungskräften kann man manchmal am Gesicht ansehen, dass sie es für zu langweilig oder für unter ihrer Würde halten, solche Arbeiten zu erledigen. Dabei können der Auftrag für die langweilige Versandaktion oder den Kopierjob auch ein Test vom Chef sein. Wer sich für solche Aufträge zu schade ist und sie nicht richtig erledigt, dem wird der Chef auch keinen anspruchsvolleren Aufgaben übergeben.

Frage: Haben Berufseinsteiger kein Benimm mehr, brauchen sie alle Knigge-Seminare?

Reinker: Das wird ja im Moment stark diskutiert, Benimm ist derzeit eine regelrechte Modebewegung. Es fällt schon auf, wenn ein Praktikant in einen Betrieb kommt, seinem Vorgesetzten das "Du" anbietet, seine E-Mails grundsätzlich mit "Hallo" oder "Hallo, Herr Doktor" beginnt und beim Mittagessen mit vollem Mund redet. Allerdings glaube ich nicht, dass ein Berufsanfänger den Knigge von Artischocke bis Zwiebelsuppe durcharbeiten muss, bevor er sich mit seinen Kollegen an einen Tisch setzt. Auch die artgerechte Handhabung der Hummerzange ist nur für Menschen relevant, die gerne in Gourmet-Restaurants speisen. Es gibt in Sachen Knigge eine echte Verunsicherung, etwa wer wem zuerst die Hand gibt oder wer wen vorstellt, die durch die ausladenden und oft realitätsfernen Ratgeber nicht wirklich gebessert wird. Ich habe in mein Job-Lexikon nur einige grundlegende Regeln aufgenommen.

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