Freitag, 16. November 2018

F. Wilhelm Christians "Mister Deutsche Bank" ist tot

Er ging als Finanzdiplomat in die Geschichte der Deutschen Bank ein: Zwölf Jahre lang führte F. Wilhelm Christians die Frankfurter Bank und beendete dabei den kalten Krieg auf ökonomischem Wege. Auch der "Flick-Deal" kam unter seine Leitung zu Stande. Gestern starb Christians im Alter von 82 Jahren.

Frankfurt/Main - Der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank F. Wilhelm Christians ist tot. Der langjährige Top-Manager und Aufsichtsratsvorsitzende starb am Montag im Alter von 82 Jahren, teilte die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen in Frankfurt mit.

Einer der einflussreichsten Lenker der Deutschen Bank: Friedrich Wilhelm Christians
Der promovierte Jurist hatte von 1976 an zwölf Jahre lang als Vorstandssprecher an der Spitze der größten deutschen Bank gestanden. Sein später ermordeter Nachfolger Alfred Herrhausen bezeichnete ihn als "Mister Deutsche Bank". Von 1990 bis 1997 war Christians Aufsichtsratsvorsitzender.

Christians ging als "Außenpolitiker" in die Geschichte der Deutschen Bank ein. Neben Bundeskanzler Willy Brandt galt der Manager als einer der Vorreiter für den Wechsel vom Kalten Krieg zur Annäherung an die Sowjetunion Ende der 60er Jahre.

Stahl gegen Gas

Als Glanzstück des "Finanzdiplomaten" gilt das Tauschgeschäft von Mannesmann-Röhren gegen sowjetisches Erdgas im Jahr 1970. Christians trug als Konsortialführer der deutschen Banken maßgeblich zum Zustandekommen dieser Übereinkunft bei. Zudem war er 1985 der erste westliche Topmanager, den Michail Gorbatschow nach Moskau einlud. 1988 fädelte Chrsitians einen Kredit über 3,5 Milliarden Mark an die Sowjetunion ein. In seinem 1989 veröffentlichten Buch "Wege nach Russland" entwarf Christians ein Konzept für eine "industrielle Region Kaliningrad (Königsberg)", in der deutsch-sowjetische Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden sollten.

Auch für die Kunst engagierte sich Christians in besonderem Maße. Er initiierte die erste deutsch-russische Kulturkooperation in den achtziger Jahren. Seitdem Christians 1997 den Vorsitz im Aufsichtsrat der Deutschen Bank an Hilmar Kopper übergab, hat er mehr Zeit, sich der Kunst zu widmen. Unter anderem war er im Vorsitz des Vereins Beethoven-Haus in Bonn und im Kuratoriumsvorsitz des Wallraf-Richartz-Museums/Museum Ludwig in Köln vertreten.

Der gebürtige Paderborner startete seine Karriere 1949 bei der Deutschen Bank. 1967 avancierte Christians zum Vorstandsmitglied. Besorgt über den chronischen Eigenkapitalmangel in der deutschen Wirtschaft hat sich Christians bereits frühzeitig für Börseneinführungen mittelständischer Unternehmen und für die breite Akzeptanz der Aktie als Anlageinstrument eingesetzt.

In seiner Amtszeit kam auch der "Flick-Deal" zu Stande. Der Verkauf des Imperiums des Großindustriellen brachte der Deutschen Bank einen Gewinn von über einer Milliarde Mark ein.

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