Mittwoch, 21. November 2018

Maria-Elisabeth Schaeffler Die listige Witwe

Maria-Elisabeth Schaeffler erbte den weithin unbekannten Weltkonzern INA. Durch die beispiellose Übernahme von FAG Kugelfischer vergrößerte die elegante Geschäftsfrau das Erbe beträchtlich - und verschaffte sich als Branchenfremde beim Automobilzulieferer Respekt. Nun greift sie nach dem Branchenriesen Continental.

Hamburg - Herzogenaurach gleicht eigentlich einem typischen Frankenstädtchen. Am Ortsrand finden sich die gleichen austauschbaren Verbrauchermärkte und kleinere Gewerbebetriebe. Der alte Stadtkern glänzt herausgeputzt. Straßen, Gassen und Plätze sind gepflastert und umgeben von alten Fachwerkhäusern. Herzogenaurach beheimatet ein barockes Schloss, zwei sehenswerte Kirchen, zwei alte Wehrtürme und kleine Museen.

Unterschiedliche Berufsinteressen: Maria-Elisabeth Schaeffler mit ihrem Sohn Georg Schaeffler
Im Gegensatz zu anderen Mittelfrankenorten besticht Herzogenaurach aber gleich mit drei Konzernen, von denen zwei den Glamour der großen weiten Welt in die Kleinstadt fächeln: Puma Börsen-Chart zeigen und Adidas Börsen-Chart zeigen. Die Sportsgiganten ziehen Olympiasieger und Weltmeister an, Prominenz aus Sport, Politik und Showbusiness puttet bei einem von Adidas jährlich ausgerichteten Golfturnier ein.

Adidas und Puma, die durch gläserne Unternehmenszentralen auffallen, sind die Kür. Die INA Schaeffler KG hingegen ist die Pflicht. Allein 7.500 Menschen arbeiten in der mittelfränkischen Idylle für den Wälzlagerhersteller, der sich mit Produktionshallen in der Stadt breit gemacht hat. Die wirtschaftliche Abhängigkeit Herzogenaurachs von dem Weltkonzern könnte nicht größer sein. Wie sagte Bürgermeister Hans Lang einst? - "Wenn Schaeffler Schnupfen hat, leidet die Stadt an Lungenentzündung".

Dass große Unternehmen nicht notwendigerweise einen hohen Bekanntheitsgrad haben müssen, zeigt sich im Vergleich von Puma, Adidas und der INA Schaeffler KG. Während Puma (Umsatz in 2003: 1,7 Milliarden Euro) und Adidas (Umsatz in 2003: 6,2 Milliarden Euro) mit ihren hippen Konsumartikeln nicht nur bei sportsbegeisterten Teenager das Maß aller Dinge sind, bewegt sich INAs Berühmtheitsgrad in deutlich tieferen Ebenen.

Kein Wunder eigentlich. Die INA Schaeffler KG, immerhin mit mehr als 54.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa sieben Milliarden Euro eines der 50 größten Unternehmen Deutschlands, stellt Dinge her, die den Charme eines Autoauspuffes versprühen. Wie zum Beispiel Nadelkränze, Vierpunktlager, Zylinderträger, Spannhülsen und nicht zu vergessen Axial-Radial-Rollenlager. Die Reihe ließe sich weit fortsetzen - 40.000 Artikel umfasst der Katalog, der dick wie zwei Telefonbücher ist. Vieles davon findet sich später einmal in Autos wieder und erfreut den Fahrer, wenn zum Beispiel der Schaltknüppel weich einrastet.

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