Montag, 17. Dezember 2018

Dieter Schaub Der mysteriöse Medienmogul

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit schuf Dieter Schaub mit der Medien-Union eines der größten Presseimperien Deutschlands. Geholfen haben ihm dabei seine Verschwiegenheit, die Alliierten, eine konservative Unternehmensstrategie und die sprichwörtliche Pfälzer Geduld.

Hamburg - Dieter Schaub mag es nicht, wenn man über ihn spricht. Genau wie sein Vater Josef würde er am liebsten alle Informationen zu seiner Person aus dem öffentlichen Leben tilgen. Warum Schaub das Rampenlicht scheut, weiß niemand so genau. Abgesehen von den Querverbindungen in seinem verschachtelten Verlagskonglomerat, der Medien-Union, hat der 65-jährige Pfälzer nichts zu verbergen.

Trotzdem mussten sich seine Mitarbeiter bei der Einstellung verpflichten, keine Details über ihren Chef und sein Presseimperium auszuplaudern. "Schon seit Jahren leben wir in einem Informationszölibat, mit dem wir gut gefahren sind", sagte Mitte der 80er Jahre stolz ein schwatzhafter Angestellter. Der Mann musste es wissen. Er war für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

"Wissen, was läuft" - dieser Slogan ziert das Eingangsportal der "Rheinpfalz". Die Ludwigshafener Zeitung, Lieblingslektüre von Ex-Kanzler Kohl, der sich sein Heimatblatt per Eilboten nach Bonn zustellen ließ, ist die Keimzelle der Medien-Union, der Presseholding von Dieter Schaub. Der verschwiegene Medienmagnat wusste schon früh, was läuft.

Am Anfang war die Lizenz

Kurz nach der Kapitulation 1945 wurde "Die Rheinpfalz" mit tatkräftiger Unterstützung der Alliierten gegründet. Die Franzosen vergaben die Lizenz für eine Regionalzeitung an fünf Fachkräfte des Zeitungswesens, die als Anzeigenkaufmann, Verlagskaufmann, Metteur, Rotationer und Setzer in dem jungen Betrieb arbeiteten.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Einer der Gründer war Josef Schaub, der Vater des damals siebenjährigen Dieter. In einer kleinen Druckerei bei Neustadt an der Weinstraße, dort, wo die Schaubs noch heute wohnen, erblickte die erste Ausgabe am 29. September 1945 das Licht der Welt. Der junge Verlag florierte. Schon zwei Jahre später betrug die Auflage 200.000 Exemplare.

Aber Schaub wäre nicht Schaub, wenn er sich mit dem vom Vater Erreichten zufrieden gegeben hätte. Der kleine, aber sichere Erfolg war seine Sache nicht. Ihn drängte es nach Höherem. Nachdem Dieter Schaub 1964 die Leitung bei der "Rheinpfalz" übernommen hatte, dürstete es ihn nach Expansion. Und zwar schnell. Als die Familie Bosch ihre Anteile an der "Stuttgarter Zeitung" verkaufen wollte, schlug Schaub zu und übernahm knapp 30 Prozent, inklusive dem Immobilienvermögen im Zentrum der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Durch Zukäufe ist sein Anteil an der "Stuttgarter" inzwischen auf stattliche 45 Prozent gestiegen.

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