Mittwoch, 19. Dezember 2018

Dieter Schaub Der mysteriöse Medienmogul

4. Teil: Strippenzieher im Hintergrund

Den letzten Schachzug des Medienriesen haben die beiden aber mit Sicherheit den guten Kontakten ihres Vaters zu verdanken. Über die 44-prozentige Beteiligung an der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH; "Stuttgarter Zeitung", "Stuttgarter Nachrichten") kaufte sich die Medien-Union Ende 2002 als sechster Gesellschafter mit 18,75 Prozent beim Not leidenden Süddeutschen Verlag (SV) ein. Die SWMH ist der drittgrößte Zeitungsverlag Deutschlands.

Teil des Schaub-Imperiums: Die "Süddeutsche Zeitung"
Den Schachzug organisierte Dieter Schaub gemeinsam mit seinem wichtigsten SWMH-Mitgesellschafter Eberhard Ebner, der das Projekt maßgeblich mit eingefädelt hatte. Um seine Stellung im Süddeutschen Verlag zu zementieren, verließ sich Schaub von Anfang an auf einen seiner versiertesten Männer: Den wichtigen Lenkungsausschuss, der als regulierendes Bindeglied zwischen Gesellschaftern und SV-Geschäftsführung installiert wurde, leitet Oliver C. Dubber als Vorsitzender. Neben seinem Job beim SV ist Dubber seit Jahren Geschäftsführer der Medien-Union.

Der harte Sanierungskurs hat unterdessen angeschlagen. Nach hohen Verlusten ist der Süddeutsche Verlag im vergangenen Jahr wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Im Vorjahr stand noch ein Verlust von über 76 Millionen Euro in den Büchern. Der Süddeutsche Verlag leidet wie seine Wettbewerber unter dem Einbruch der Anzeigeneinnahmen, der nun seit drei Jahren anhält.

Hecht im Karpfenteich

Auch an der "Rheinpfalz" ist die Medienkrise nicht spurlos vorübergegangen. Noch im Sommer vergangenen Jahres kündigte Verleger Thomas Schaub einen harten Sanierungskurs an. Neue Redakteure werden nicht mehr eingestellt und befristete Verträge nicht mehr verlängert. Insgesamt sollen bis Mitte 2004 rund ein Drittel der rund 600 Stellen wegfallen.

Nach wie vor aber ist die "Rheinpfalz" im Besitz der fünf Gründer, die die Lizenz 1945 von den Alliierten erhalten haben. Die gleichen Familien halten mittelbar oder unmittelbar die Anteile an der Medien-Union. Neben dem Stamm Schaub als Mehrheitsgesellschafter (50,5 Prozent) sind die Nachfahren der anderen Gründer Arthur Lenk, Hans Wipprecht, Xaver Resch und die Familie Nagel im Handelsregister eingetragen. Welchen Einfluss die Erben der Gründerfamilien gegenwärtig haben, ist nicht bekannt.

Sicher aber ist, dass sich Dieter Schaub - wenn er nicht gerade neue Geschäftsideen ausheckt - auf sein Altenteil zurückgezogen hat und seine Hobbys pflegt: Er sammelt Ölgemälde alter Meister der "Frankenthaler Schule" und geht angeln. Am liebsten fischt er in seiner Heimat bei Bad Kissingen in der Fränkischen Saale, wo er nahe Hammelburg eine alte Mühle zum Luxusdomizil umbauen ließ.

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