Mittwoch, 20. März 2019

Haribo-Chef Hans Riegel König der Gummibärchen

Solange er lebt, wird Hans Riegel für die weltweite Verbreitung der Gummibärchen streiten. "Ohne die Firma", sagt der Patriarch, "würde ich krank." Mit skurrilen Methoden und gegen alle Regeln der Managementlehre führt er sein Unternehmen von einem Erfolg zum anderen.

Nicht alle Gummibärchen schaffen den Weg in die Tüte. Nicht an Thomas Gottschalk scheitern sie, der ihnen einen Bären aufbindet, sondern an Hans Riegel, dem Herrscher über Milliarden Weingummis und 6000 Mitarbeiter bei Haribo.

Will und kann nicht von Haribo lassen: Hans Riegel
Der steht am Ende eines Fließbands und greift immer wieder zu. Fast mechanisch langt seine Hand aufs Band und stopft sich einige Gummitiere in den Mund. Vier Bärchen, eine Lakritzschnecke - das ist die ideale Kombination, so Riegel.

Riegel (80) kann nicht genug davon bekommen: nicht von den Goldbären, Weingummis und Cola-Fläschchen. Nicht von den Lakritzschnecken, Salinos und Maoam. Und erst recht nicht von der Firma, die er seit 57 Jahren führt. Das Unternehmen, 1920 von seinem Vater Hans Riegel in Bonn (daher: Ha-Ri-Bo) gegründet, ist bei Lakritzen und Fruchtgummis die Nummer eins in Deutschland (Marktanteil: rund 60 Prozent) und Europa. Fast eineinhalb Milliarden Euro Umsatz, schätzt die Branche, kommen so jedes Jahr zusammen.

Grau ist alle Managementtheorie

Die Gummigruppe vom Rhein ist ein großes Geheimnis. Hans Riegel und sein Bruder Paul, die jeweils eine Firmenhälfte besitzen, halten die Geschäftszahlen so verborgen wie das vom Vater hinterlassene Rezept der Bärchen. Nur soviel ist sicher: Haribo macht die Brüder froh. Zwar geht es ihrer Branche seit langem schlecht; auch 2003 sind die Umsätze nur geringfügig gestiegen. Doch bei den Bonnern läuft es prächtig. Der Umsatz legte 2003, wie in den Vorjahren, zweistellig zu.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Ein Phänomen, denn eigentlich dürfte es ein Unternehmen wie Haribo gar nicht mehr geben. Managementtheoretiker müssten an den Hausbräuchen der Goldbären verzweifeln, Unternehmensberater entnervt das Weite suchen, ließe Hans Riegel - was nicht wahrscheinlich ist - solche Leute je das Haus betreten.

Fast wie ein Monarch regiert er sein Imperium. Jeden Tag treten seine Abteilungsleiter im Chefbüro zum Einzelgespräch an. Riegel händigt ihnen dann persönlich ihre Post aus und diskutiert anhand der Briefe die Probleme und Aufgaben der jeweiligen Abteilung. "So bin ich immer im Bilde, was läuft", rechtfertigt Riegel seinen eigenwilligen Führungsstil.

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