Montag, 10. Dezember 2018

Paul-Otto Faßbender Der Streithahn

Streit ist sein Geschäft. Paul-Otto Faßbender residiert über das Versicherungsimperium der Arag, die vor allem mit Rechtsschutzpolicen Umsatz macht. Faßbender selbst hat Prozesserfahrung wie kein anderer: Seinen Vorstandsposten erkämpfte er sich in einer Familienfehde, die sich fast 30 Jahre lang hinzog.

Düsseldorf - "Grünkohl mit Mettwurst" ist sein Lieblingsgericht. Typisch Düsseldorf eben. Gerne betont Paul-Otto Faßbender (58) seine Verbundenheit mit der Stadt am Rhein und da darf eine Mitarbeiterzeitung auch mal seine kulinarischen Vorlieben ausplaudern.

Nach 30 Jahren endlich alles im Griff: Paul-Otto Faßbender
In Düsseldorf residiert sein Konzern. Im Düsseldorfer Rochus-Club fördert er den deutschen Tennissport. In Düsseldorf machte er sein Vermögen, dort lenkt er die Arag-Versicherung mit 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 4100 Angestellten. Hoch droben thront er im 28. Stockwerk der neuen Konzernzentrale, die vor knapp zwei Jahren in die Silhouette seiner Heimatstadt eingezogen wurde. Und in Düsseldorf lernte er das Versicherungsgeschäft: "Schon als Kind", pflegt er in einem Interview das klassische Bild des Konzernpatriarchen, "habe ich meinem Vater bei der Arbeit über die Schulter geschaut."

Familienfehde Wagner'schen Ausmaßes

Diese Worte suggerieren: Sein Weg war harmonisch zielstrebig, mittelständisch geradlinig. War es aber gar nicht. Paul-Ottos Vater, Walter Faßbender, hatte die Regie bei dem aufstrebenden Versicherer unmittelbar nach dem Krieg von Arag-Gründer Heinrich übernommen. Walter wiederum starb 1972, und sein Bruder Hans Heinrich, der die Zügel in die Hand nahm, holte zwar Paul-Otto 1977 in den Vorstand, verwehrte ihm aber jeden nennenswerten Einfluss auf das Unternehmen.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Die Düsseldorfer sind Frohnaturen - mit den Brosamen wollte sich Paul-Otto ("Optimismus ist mein ständiger Wegbegleiter") dennoch nicht begnügen. Schließlich schätzt er als promovierter Jurist klare Positionen: Wenn zwei sich streiten, freut sich die Rechtsschutzversicherung. So versuchte er seit den frühen 70er Jahren auf gerichtlichem Wege, seinen Einfluss auf die Arag zu sichern. Es entsponn sich eine Familienfehde Wagner'schen Ausmaßes.

Der Garmenbeck-Komplex, benannt nach der Briefkastenfirma des Finanzberaters Walter Amend, erschien da zunächst als Nebenschauplatz. Windige Investments kosteten das Unternehmen in den späten 80ern gut 56 Millionen Mark. Paul-Otto verfolgte den Fall unerbittlich und verklagte alle verantwortlichen Vorstandsmitglieder. Das Verfahren schaukelte sich bis zum Bundesgerichtshof hoch. Schließlich sah sich Paul-Ottos Vetter Ludwig, damals Vorstandsvorsitzender, von Schadenersatzforderungen in zweistelliger Millionenhöhe bedroht.

Nach rund 25 Jahren Dauerfehde knickte Ludwig 1998 ein und überschrieb alle seine Anteile dem gegnerischen Familienstamm. Heute ist Paul-Otto alleiniger Gesellschafter der Fida GmbH, die die Mehrheit an der Arag hält.

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