Samstag, 25. März 2017

Infineon Operation "Campeon"

Erstmals spricht Interimschef Max Dietrich Kley öffentlich über den plötzlichen Abgang seines Vorgängers Ulrich Schumacher - und widerspricht sich dabei selbst. manager magazin zeigt weitere brisante Vorgänge in der Amtszeit von Schumacher auf, die auch heikel für Großaktionär Siemens sind.

München - Die Gründe für den Abgang des Infineon-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Schumacher am 25. März waren bislang im Dunkeln geblieben. In der aktuellen Ausgabe des manager magazins, die am Freitag (23. April) erscheint, äußert sich der Interimschef des Münchener Halbleiterkonzerns, Max Dietrich Kley, erstmals öffentlich über die Hintergründe.

"Inakzeptabler Zustand": Max Dietrich Kley, Interimschef von Infineon
Das Ergebnis und der Aktienkurs seien "absolut unbefriedigend" gewesen, begründet Kley die Entlassung Schumachers. Um diesen "inakzeptablen Zustand" zu ändern, sucht er jetzt nach einem Nachfolger, der "neben Branchenkenntnis und Technikverstand vor allem über Turnaround-Erfahrung verfügt".

Erstaunlich an den Äußerungen Kleys ist die Tatsache, dass er in seiner Eigenschaft als Infineon-Aufsichtsratschef in der Hauptversammlung Ende Januar noch gesagt hatte, der Infineon-Vorstand habe "Außerordentliches geleistet". Selbst nach dem Abgang Schumachers versicherte Kley, die Strategie des Geschassten werde beibehalten. Und Infineon-Finanzvorstand Peter Fischl behauptete, die Demission habe mit dem Geschäftsverlauf nichts zu tun.

Weiter berichtet manager magazin über dubiose Vorgänge während der Amtszeit von Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Infineon Börsen-Chart zeigen vergab den Auftrag für Planung und Bauleitung der neuen Konzernzentrale "Campeon" in Neubiberg bei München an das Architekturbüro TEC PMC, das von Moritz und Sebastian Knorr geführt wird. Die Brüder sind Söhne von Jürgen Knorr, dem ehemaligen Chef der Halbleitersparte von Siemens Börsen-Chart zeigen, aus der Infineon hervorging. Knorr gilt als Förderer Schumachers.

TEC erhielt den Zuschlag für das 500-Millionen-Euro-Objekt auf Wunsch Schumachers, obwohl zuvor bereits ein anderes Architekturbüro beauftragt worden war. Unter der Leitung von TEC verzögerte sich das Vorhaben enorm. Ursprünglich wollte Infineon im September 2003 einziehen. Derzeit ist gerade einmal eine Grube ausgehoben. Nach Schumachers Abgang wurde der Vertrag mit den Knorr-Brüdern gekündigt.

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