Mittwoch, 19. Dezember 2018

Ludwig Georg Braun Christlicher Provokateur

Mit Kathetern, Kanülen und Spritzen setzt B. Braun Melsungen Milliarden um. Das Oberhaupt der Eigentümerfamilie, Ludwig Georg Braun, trimmte den Konzern auf Weltformat. Sein Handeln als Unternehmenslenker und Verbandsfürst treibt dabei manchmal kuriose Blüten.

Hamburg - Erfolgreiche Familienfirmen haben oft sonderbare Attitüden: Ihre meist schwerreichen Eigentümer scheuen die Öffentlichkeit, die Familienstämme sind nicht selten heftigst verfeindet.

Bekannt vor allem als DIHK-Präses: Unternehmer Ludwig Georg Braun
Davon kann man beim Medizintechnikhersteller B. Braun aus dem nordhessischem Melsungen nicht gerade sprechen. Der Clan ist bisher nicht von der Dallas-Denver-Krankheit infiziert. Dafür trieben Produktskandale den Blutdruck hoch und Patriarch Ludwig Georg Braun, der eigenwillige Vorstandsvorsitzende, ist immer für eine Schlagzeile gut.

Der Chef aus der fünften Familiengeneration, Jahrgang 1943, bringt seine Umgebung immer wieder zum Staunen, wenn er sich ins öffentliche Leben einmischt. Dabei wirkt der überzeugte Nordhesse auf den ersten Blick äußerst konservativ, zurückhaltend. Dunkle, unauffällige Anzüge, schlanke Erscheinung, fast kahler Kopf - ein Mann, der keine Blicke auf sich zieht.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Entgegen dem äußerlich konservativen Erscheinungsbild präsentiert sich der begeisterte Marathonläufer seinen Gesprächspartnern überraschend spontan und progressiv. Und weil Braun meistens sagt, was er denkt, hat er schon so manches mal Verwirrung gestiftet.

Die größte Wirkung in der Öffentlichkeit erzielen seine Reden als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Braun führt den größten Unternehmerverband Deutschlands seit Anfang 2001. Hohe Wellen schlug damals sein provozierendes Plädoyer für "Nullrunden" bei Lohnabschlüssen. "Verheerend" und "katastrophal" lauteten nur einige der Verbalinjurien, die daraufhin aus dem Lager der Wirtschaft drangen, wollten die übrigen Verbandsbosse doch die Gewerkschaften umgarnen.

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