Donnerstag, 15. November 2018

Ludwig Georg Braun Christlicher Provokateur

3. Teil: Erfolgsgeheimnis den Rothschilds abgeschaut

Erfolgsgeheimnis den Rothschilds abgeschaut

Überhaupt nicht in diese Idylle passt die hässliche Geschichte, die das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL 1993 enthüllte. B. Braun war gegen Bezahlung über Sektionsgehilfen in Krankenhäusern an illegal beschaffte Hirnhäute gelangt. Aus diesen Hirnhäuten stellte der Konzern eine teure Arznei her, die etwa bei Hauttransplantationen eingesetzt wurde.

Arbeit im Labor: Angestellte der B. Braun Medizintechnik
Nach Behandlungen mit diesem "Lyodura"-Pflaster erkrankten in Japan zwischen 1985 und 1996 mehr als 40 Menschen. Heute sind fast alle von ihnen gestorben. Die Produktion des Pflasters wurde eingestellt. Braun einigte sich vor Gericht mit den Klägern und zahlte Entschädigungen in Millionen-Euro-Höhe. Die Skandale haben eine tiefe Wunde hinterlassen, deren Narbe nur langsam verheilt. Doch der wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte des Unternehmens konnten diese Affären kaum etwas anhaben.

Julius Wilhelm Braun hatte 1839 in einer Apotheke die Firma gegründet und diverse Wässerchen und Heilmittel verkauft. Zum Welterfolg führte die Entwicklung der ersten Kunststoffspritze. Der heutige Umsatz der Weltfirma, die auf fünf Kontinenten Produktionsstätten betreibt, liegt bei 2,8 Milliarden Euro.

Der Kaufmann hat das Sagen

Der traditionsreiche Konzern legt bei aller notwendigen Globalisierung und Internationalisierung Wert auf heimische Standorte und schwört auf Produktion "Made in Germany". Allerdings müssen "Braunianer" sich schon mal zur Mehrarbeit verpflichten, damit deutsche Standorte nicht in Niedriglohnländer ausgesiedelt werden.

Vorteilhaft wirkt sich für die B. Braun-Angestellten aus, dass die Inhabergruppe untereinander nicht zerstritten ist. Zum Familienfrieden trägt sicherlich die langfristige Regelung der Erbfolge und des Vermögensübergangs bei. Und das Rothschild-Prinzip, wonach einzelne Familienmitglieder Tochtergesellschaften im Ausland führen und so vom Unternehmen nicht ausgeschlossen werden. Zudem hat sich die Sippe darauf verständigt, "dass der Kaufmann das Sagen hat".

Womit sich der Kreis wieder beim Betriebswirt Ludwig Georg Braun schließt, dem unangefochtenen Vorstandschef, dem engagierten Protestanten, dem Marathonläufer, dem Verbandsfürsten. Ein Mann, der zu provozieren weiß. Ohne seine unorthodoxen Vorschläge oder Appelle wäre die verbandspolitische Bühne sicherlich ein gutes Stück ärmer. Nicht anzunehmen, dass Braun von diesem Posten so schnell abtritt. Sein Vorgänger, Hans Peter Stihl, führte den DIHK immerhin 13 Jahre lang.

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