Samstag, 23. Februar 2019

Reinhard K. Sprenger "Lebe dein Talent!"

Viele Führungskräfte fühlen sich unwohl in ihrem Job und wissen nicht, wie sie ihre Situation ändern sollen. Im Gespräch mit manager-magazin.de sagt Trainer Reinhard K. Sprenger, warum es Sinn macht, an den Tod zu denken, warum Fürsorge schwächt und Ziele das Dümmste sind, was ein Mensch haben kann.

mm.de: Herr Sprenger, eine aktuelle Statistik sagt aus, dass über 70 Prozent aller Menschen während der Arbeit unmotiviert ist. Glauben Sie das?

 Reinhard K. Sprenger , geboren 1953, machte sich als Managementtrainer und Autor international einen Namen. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören "Mythos Motivation" und "Das Prinzip Selbstverantwortung". Kürzlich ist Sprengers Bestseller "Die Entscheidung liegt bei Dir!" als Hörbuch erschienen, die CD "EigenSinn" wird über den Buchhandel vertrieben. Sprenger lebt in Essen und Santa Fe, New Mexico, USA.
Reinhard K. Sprenger , geboren 1953, machte sich als Managementtrainer und Autor international einen Namen. Zu seinen bekanntesten Büchern gehören "Mythos Motivation" und "Das Prinzip Selbstverantwortung". Kürzlich ist Sprengers Bestseller "Die Entscheidung liegt bei Dir!" als Hörbuch erschienen, die CD "EigenSinn" wird über den Buchhandel vertrieben. Sprenger lebt in Essen und Santa Fe, New Mexico, USA.

Sprenger: Da muss man sehr vorsichtig sein. In diesen Zahlen liegt eine große Unschärfe, solche Zahlen haben immer ein hohes pädagogisches Potenzial. Zudem erzeugen die gestellten Fragen immer entsprechende Antworten.Die Wissenschaft unterscheidet zwischen Motivation für konkrete Aufgaben im Nahfeld und dem, was in solchen Umfragen abgefragt wird, zum Beispiel: "Wie stark fühlen Sie sich verbunden mit dem Unternehmen?" Da gibt es in der Tat große Differenzen. Die allermeisten Menschen fühlen sich ihrer konkreten Aufgabe und ihren Kollegen gegenüber nach wie vor verpflichtet.

mm.de: Verpflichtet bedeutet, dass die Arbeit zwar getan wird, aber nur widerwillig.

Sprenger: Ich bin überzeugt, dass die meisten Menschen nach wie vor ein hohes Maß an Selbstverpflichtung gegenüber ihrer Aufgabe haben. Das wird nicht gestört durch das, was auf der Topmanagerebene oder woanders im Unternehmen stattfindet. Es gibt sogar eine ausgesprochen loyale Reparaturintelligenz von unten. Viele Mitarbeiter leben einen konstruktiven Ungehorsam, nach dem Motto: "Wir machen hier was Vernünftiges, obwohl die da oben tagtäglich so einen Quatsch verzapfen".

mm.de: All das hat aber nichts mit Spaß an der Arbeit zu tun ...

Sprenger: Menschen, die behaupten, Arbeit solle Spaß machen, behaupten gleichzeitig etwas Richtiges und etwas Falsches. Der Job, den wir alle machen, ist immer eine Mischung aus Spaß und Frust. Wichtig ist, dass ich langfristig und überwiegend mit dem Herzen bei der Sache bin. Das heißt nicht, dass ich ständig ein fröhliches Liedchen auf den Lippen habe.

mm.de: Das hat viel mit Zwängen zu tun ...

Sprenger: Das stimmt nicht ganz. Selbstverpflichtung bedeutet: Klar auch jene Aspekte zu sehen, die einem nicht so gut gefallen, und dennoch "ja" zu sagen vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass ich es mir ausgesucht habe und dass immer etwas fehlt zum Ideal.

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