Sonntag, 22. Oktober 2017

Bildungswüste Deutschland "Das ist erbärmlich"

2. Teil: "Da erleben Sie Ihr blaues Wunder"

"Da erleben Sie Ihr blaues Wunder"

Der Personalleiter beim Pharmaunternehmen Merck sieht das anders: "Lassen Sie mal Hochschulabsolventen Worte wie Rhythmus und Rheuma schreiben", klagt Claus Dieter Köchel, "da erleben Sie Ihr blaues Wunder."

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Besonders mau präsentieren sich die Bewerber laut der Umfrage in Geschichte sowie in Kunst und Kultur: Null Prozent der befragten potenziellen Arbeitgeber vermerkten in diesen Themengebieten gute bis sehr gute Leistungen. Ganz anders das Bild in Informatik und bei den Fremdsprachen: Hier schnitten drei Viertel der Bewerber mit "gut" oder "sehr gut" ab.

Doch mit ein bisschen Englisch und Textverarbeitung ist es offensichtlich nicht getan. Allgemeinwissen sei heute wichtiger denn je, sagt der Bochumer Psychologie-Dozent Rüdiger Hossiep: "Wie ein Filter ermöglicht Allgemeinbildung uns, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, Neues einzuordnen und nicht in der ständig wachsenden Informationsflut unterzugehen."

Filter in der Informationsflut

Der Psychologe hat eigens einen Wissenstest namens Bowit entwickelt, mit dem sich auf wissenschaftlicher Basis die Allgemeinbildung von Akademikern überprüfen lässt. Der Crashtest deckt insgesamt elf Sachgebiete ab, von Politik bis Mathematik, von Kunst bis Biologie.

Dort wird beispielsweise gefragt, welcher Partei der ehemalige Bundespräsident Walter Scheel angehört oder welcher Philosoph sich das Höhlengleichnis ausdachte. Für wissenswert halten die Bochumer Forscher auch, in welcher Stadt die Hagia Sophia liegt oder was Kfz-Mechaniker meinen, wenn sie einen "Kolbenfresser" diagnostizieren. Den Highscore von über 80 Prozent richtigen Antworten schafften nur knapp sechs Prozent der Teilnehmer.

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