Montag, 17. Dezember 2018

EnBW Vorschlag ohne Wertung

Der Streit beim Energieriesen eskaliert. Nachdem die Staatsanwaltschaft Mannheim Ende vergangenen Jahres Ermittlungen gegen Ex-EnBW-Chef Gerhard Goll aufgenommen hat, schlagen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung vor, dem ehemaligen Management die Entlastung zu verweigern.

Stuttgart - Der ehemalige Vorstandschef der Energie Baden-Württemberg (EnBW Börsen-Chart zeigen), Gerhard Goll, und zwei seiner ehemaligen Vorstandskollegen sollen nach dem Willen von Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2003 nicht entlastet werden.

 Gegen ihn wir ermittelt: Gerhard Goll
DPA
Gegen ihn wir ermittelt: Gerhard Goll
Goll, dem ehemaligen Finanzvorstand Bernd Balzereit sowie dem für Beteiligungen und Zukäufe zuständigen Gerhard Jochum sollten auf der Hauptversammlung am 29. April "derzeit keine Entlastung erteilt" werden, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Tagesordnung für das Aktionärstreffen.

Eine Sprecherin der EnBW betonte, die vorgeschlagene Nicht-Entlastung sei eine Reaktion auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mannheim gegen Goll und seine Kollegen. Eine Bewertung der Vorwürfe gegen die drei früheren Manager sei damit nicht verbunden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Mitte November wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Konzerns gegen die ehemalige EnBW-Spitze. Dabei geht es offenbar vor allem um die Wertansätze der Beteiligungen des drittgrößten deutschen Stromversorgers, die Golls Nachfolger Utz Claassen kurz nach seinem Amtsantritt um 1,3 Milliarden Euro abgewertet hatte. "Das sind natürlich Dinge, die ins Auge fallen, und die für uns auch von Interesse sind", sagte der Mannheimer Oberstaatsanwalt Hubert Jobski.

Auch der Wirtschaftsprüfer wird ausgetauscht

Das Unternehmen hatte im ersten Halbjahr einen Rekordverlust von 927,3 Millionen Euro eingefahren und danach ein rigides Sparprogramm gestartet. Der nur ein Jahr amtierende Finanzvorstand Bernd Balzereit musste im Juli gehen.

Goll äußerte angesichts der Ermittlungen Verständnis für den Vorschlag, ihn vorerst nicht zu entlasten. Er habe davon erst am Montag erfahren. Die Staatsanwaltschaft habe noch keinen Kontakt zu ihm aufgenommen. "Ich glaube nicht, dass irgend jemand in dem Unternehmen etwas verschleiert oder geschönt hat", hatte Goll im Herbst gesagt. Claassen hatte stets betont, die Bilanzierung sei unter seinem Vorgänger innerhalb der zulässigen Grenzen gewesen, sprach aber wiederholt von "Altlasten".

Der ehemalige CDU-Politiker Goll führte die EnBW seit 1997, als sich die Energieversorgung Schwaben (EVS) und das Badenwerk zusammenschlossen. Mit seinem aggressiven Akquisitionskurs blähte er den Konzern zu einem Konglomerat von rund 400 Firmen auf. Zu den größten Abschreibungsbeträgen zählten die Beteiligungen am Schuh- und Dienstleistungskonzern Salamander und die zu teuer eingekauften 29,9 Prozent an den Stadtwerken Düsseldorf, die allein um 210 Millionen Euro abgewertet wurden. An EnBW halten die staatliche französische Electricite de France sowie ein Verbund oberschwäbischer Kommunen (OEW) je 34,5 Prozent.

Die EnBW wechselt außerdem ihren Wirtschaftsprüfer. Anstelle von PwC PriceWaterhouse Coopers, die seit 1999 Prüfer war, soll künftig die Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ihre Bilanzen überprüfen. Grund für den Wechsel seien Forderungen der Corporate-Governance-Kommission, sagte die Sprecherin.

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