Dienstag, 23. Oktober 2018

Karl-Heinz Kipp Später Herbergsvater

Erst machte er in Trachten, dann als "Mister Massa" ein Vermögen. Heute genießt Karl-Heinz Kipp im Schweizer Graubünden seinen Ruhestand und pflegt ein exklusives Hobby: Er sammelt Hotels.

Hamburg - In Westdeutschland wird soeben die Währung reformiert, als auch Karl-Heinz Kipp - Jahrgang 1924 - beschließt, dass die Zeit reif sei für einen Neubeginn.

Einer der Paläste des Kippschen Imperiums: Carlton Hotel St. Moritz
Der gelernte Speditionskaufmann, der "als Kind gern Fleischer geworden" wäre, will sich künftig auf den Handel mit Textilien verlegen - am liebsten gleich en gros. Und so begibt er sich auf die Suche nach einem Firmenmantel, denn zur Gewerbefreiheit ist man in jenen Tagen in der französisch besetzten Zone noch nicht zurückgekehrt.

Kipp wird bald fündig. 1948 erwirbt der Sohn eines Pfälzer Landwarenhändlers die Trierer Trachten- und Bänderhandlung Alfred Massa.

Unterwäsche und Wein für die Winzerin

Die Rechte an dem einprägsamen Namen erkauft er sich von dessen Witwe mit einigen tausend Flaschen Wein, so die Legende. Nach bescheidenen Anfängen am neuen Firmensitz Alzey - der Chef fährt noch selbst über Land, um den Winzerinnen der Region Unterwäsche anzudienen - steigt er ein paar Jahre später in die Textilproduktion ein.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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1965 erwächst daraus schließlich der erste Massa-Verbrauchermarkt, dessen Hauptattraktion neben der Bekleidung die Frischfleischtheke ist. Zügig gelingt nun der Aufstieg unter die führenden SB-Warenhäuser. Mit seinem Faible für "Kampfpreise" schockt "Mister Massa" die Konkurrenz in den siebziger Jahren ein ums andere Mal und lockt die Kundschaft scharenweise in seine Riesenläden auf der grünen Wiese.

Zu Beginn der achtziger Jahre aber zeichnen sich erste Ermüdungserscheinungen ab. Mit dem bei den Verbrauchern beliebten, betriebswirtschaftlich aber kaum durchdachten zinslosen Finanzkauf kann Massa-Kipp zwar noch die Umsätze erhöhen. Die Erträge der Unternehmensgruppe schwinden jedoch zusehends. Der finanziellen Sorgen weiß sich der Gründer aber geschickt zu entledigen.

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