Montag, 17. Dezember 2018

Karl-Heinz Kipp Später Herbergsvater

2. Teil: "Es kann ja mal einer zählen"

1986 wandelt er den Familienbetrieb in eine Aktiengesellschaft um, deren Papiere er in zwei Tranchen an die Börse bringt. Stolze 225 Mark (rund 112 Euro) sind im Frühjahr, 515 Mark (rund 257 Euro) gar im Herbst des Jahres für eine Massa-Aktie fällig.

 Eins von Kipps Sammlerstücken: Sporthotel Valsana
Eins von Kipps Sammlerstücken: Sporthotel Valsana
Eigene Anteile verkauft Kipp nach und nach, das letzte Paket - rund 30 Prozent - 1987 an die Asko AG, die später im Metro-Konzern aufgeht. Welch günstigen Zeitpunkt Kipp für seinen Rückzug gewählt hat, erweist sich Jahre später. Als Metro den noch verbliebenen Massa-Aktionären 1997 ein Kaufangebot macht, werden 150 Mark (rund 75 Euro) pro Stück für großzügig gehalten.

Zu diesem Zeitpunkt ist die Kipp-Sippe, zu der neben dem Senior und Gattin Hannelore noch Tochter Ursula L. Bechtolsheimer gehören, längst im Schweizer Graubünden sesshaft geworden. Kipps Sohn Ernst-Ludwig hatte sich auszahlen lassen und lebte mit seiner Familie als Aussteiger und Erfinder in Florida. Er verstarb im letzten Jahr unerwartet.

Vater Kipp geht seit über zwei Jahrzehnten einer alten Leidenschaft nach: Dem Erwerb von Immobilien, bevorzugt Schweizer Fünf-Sterne-Hotels und Bürotürme in Manhattan. Anfängliche Hürden nahm er in leichtfüßiger Manier. Denn eigentlich dürfen Ausländer in der Schweiz keinen Grundbesitz erwerben (Lex Furgler). Kipp durfte. "Ich besaß in Deutschland auch ein paar Reisebüros. So konnte ich einen Bedarf nachweisen und kam schließlich durch."

Graubündener Hobby-Hotelier

Legendär ist der Coup, mit dem Kipp das Luxushaus "Eden Roc" in Ascona in seinen Besitz brachte: Des Feilschens überdrüssig geworden, hielt er den freudig erregten Mitgliedern der Erbgemeinschaft 50 Millionen Franken unter die leuchtenden Augen. Im Nu verschwanden die geschockten Mitbieter von der Bildfläche, und Kipp gehörte endlich jenes Hotel, das er mehr als jedes andere begehrte. Dort war er schließlich schon als 16-Jähriger abgestiegen.

[M] DDP; DPA; mm.de
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Wie ärgerlich muss es für solch hotelliebenden Milliardär sein, wenn seine Paläste recht mäßig klassifiziert werden, wie vor vier Jahren sein "Eden Roc"? Unerträglich. Kipp reagierte sofort und zückte das Scheckheft. Deutlich über 100 Millionen steckte er in die Renovierung. Die Investition hatte Erfolg. Der Luxuspalast wurde in einer Umfrage des Wirtschaftsmagazins "Bilanz" zum besten Schweizer Ferienhotel gekürt.

Dass ihm dieses ausgefallene Hobby einmal zu kostspielig werden könnte, steht nicht zu befürchten. Noch immer ist der jetzt 80-jährige Eigentümer der ehemaligen Massa-Immobilien, deren Vermietung an die Metro ihm bis 2015 garantiert 50 Millionen Euro pro Jahr in die Kasse spült.

Wie hoch sein Vermögen genau ist, weiß offenbar Kipp selbst nicht. "Das ist eine Frage der Bewertung, aber es kann ja mal einer kommen und ein paar Wochen lang zählen", meinte er einmal. Andere Dinge im Leben seien wichtiger: "Was für mich zählt, ist die Gesundheit und eine glückliche Familie."

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