Montag, 10. Dezember 2018

Dieter Schwarz Aldis Erzfeind

4. Teil: Das Vermächtnis des Dieter Schwarz

Das Vermächtnis des Dieter Schwarz

Experten schätzen, dass der schweigsame Konzernlenker unterdessen über 5600 Supermärkte und SB-Warenhäuser betreibt und damit zum zweitgrößten Lebensmittelhändler des Kontinents aufgestiegen ist. Den Gesamtumsatz für 2003 schätzen die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) auf 32 Milliarden Euro, die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 80.000.

Deutschlands Tophändler
Unternehmen Gesamtumsatz in Mrd. Euro* davon Food-Umsatz in Mrd. Euro*
1. Metro 32,0 14,4
2. Rewe 28,6 19,6
3. Edeka/AVA 25,2 20,9
4. Aldi 25,0 20,3
5. Schwarz 17,2 13,8
* z.T. geschätzt; Quelle: M+M Eurodata
Trotz der Konsumflaute konnte das Lidl-Imperium die Erlöse 2003 um 12 Prozent steigern. Aldi (Nord und Süd zusammen) kam auf ein Plus von nur 5,5 Prozent. Die Erlöse der Aldi-Gruppe sollen zwischen 26 und 30 Milliarden Euro liegen.

Vor drei Jahren hat Schwarz, der als weitsichtiger Patron mit Fingerspitzengefühl gilt, seinen Rückzug in die Wege geleitet. Er übertrug das Eigentum an seinem Handelsunternehmen auf die gemeinnützige Dieter Schwarz Stiftung GmbH, deren Zweck unter anderem die Förderung von Wissenschaft und Forschung, von Kunst und Kultur ist.

Diese Stiftung wiederum hält 99,9 Prozent des Kapitals der Schwarz Beteiligungs GmbH, in der alle Beteiligungen an operativen Gesellschaften gebündelt sind. Die beiden wichtigsten: die Kaufland Stiftung & Co. KG, unter deren Dach das Warenhausgeschäft zusammengeführt wird; daneben die Lidl Stiftung & Co. KG, der die "Lidl"-Discounter zugeordnet sind.

Das letzte Wort hat Dieter Schwarz

Zwar verfügt die Dieter Schwarz Stiftung über die Kapitalmehrheit an der Beteiligungsgesellschaft, Stimmrechte hingegen besitzt sie nicht.

Stiftungslabyrinth: Wem Lidl & Schwarz künftig gehört
Diese liegen bei der Schwarz Unternehmenstreuhand KG, die ihrerseits die restlichen 0,1 Prozent der Kapitalanteile besitzt. Die Holding ist das eigentliche Machtzentrum des Konzerns. Aus dieser hat sich jetzt Dieter Schwarz offiziell zurückgezogen. Zum alleinigen Komplementär wurde Schwarz langjähriger Weggefährte Klaus Gehrig bestimmt.

Diese Stiftungskonstruktion soll gewährleisten, dass die Lidl & Schwarz-Unternehmensgruppe auch in Zeiten wachsender Konzentration in der Branche unabhängig bleibt und "noch in zehn Jahren als eigenständige Firma zu den ersten Zehn des hiesigen Einzelhandels" gehört.

Trotz des formal vollzogenen Abgangs hat Dieter Schwarz im Unternehmen weiterhin das letzte Wort. Der Treuhand KG gehört er weiterhin als außerordentliches Mitglied an. Missliebige Entscheidungen kann Schwarz mit seinem exklusiven Vetorecht auch künftig jederzeit blockieren.

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