Freitag, 14. Dezember 2018

Madeleine Schickedanz Die Versandhaus-Diva

Nach anfänglichem Zögern mischte Madeleine Schickedanz im elterlichen Versandhaus Quelle kräftig mit - dank ihrer Ehemänner, die sie an die Vorstandsfront schickte. Nach der Fusion mit Karstadt verfolgt die milliardenschwere Erbin das Treiben der Führungsspitze weiter mit Argusaugen.

Hamburg - Als im Juni 2002 die Quelle-Belegschaft den 75. Geburtstag ihres Versandhauses feierte, hielt sich die mächtigste Person dezent im Hintergrund. Kein Wunder, Madeleine Schickedanz scheut das Rampenlicht. Dieser Charakterzug unterscheidet sie deutlich von ihren Eltern.

Setzen sich für die Kinder-Krebs-Forschung ein: Madeleine Schickedanz (l.), hier mit der Schauspielerin Veronica Ferres in der Fürther Stadthalle
Firmengründer Gustav Schickedanz und seine zweite Ehefrau Grete hätte ein solcher Auftritt gefallen. Beide genossen den Applaus beim Eintreffen der häufig besuchten Bayreuther Festspiele. Madeleine mag zwar auch Werke von Wagner und Mozart, dem Genuss dieser Musik frönt sie aber lieber in den eigenen vier Wänden.

An ihrem bevorzugten Wohnort, im schweizerischen St. Moritz, trifft man sie und ihren dritten Ehemann, Leo Herl, höchstens beim Shoppen, sonst lebt das Paar heute zurückgezogen in einer Villa auf dem feinen Suvretta-Hügel. Um die Jetset- und Schickeria-Gesellschaft machen sie einen großen Bogen.

Das Leben frei von materiellen Sorgen kennt die einzige Tochter aus der Ehe von Gustav und Grete Schickedanz seit ihrer Geburt 1943 in Nürnberg. In ihrer frühen Kindheit erlebt sie bald den zweiten Aufstieg des Fürther Versandgeschäfts.

Erst spät in die Fußstapfen der Eltern getreten

Der erste kometenhafte Aufstieg wird durch den Zweiten Weltkrieg jäh gestoppt. Vater Gustav, Sohn eines Werkmeisters hatte 1923 - in Zeiten einer galoppierenden Inflation - den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt - mit einer Großhandlung für Kurz-, Weiß- und Wollwaren, aus der vier Jahre später das Versandgeschäft Quelle hervorgeht.

Die Rechnung des Jungunternehmers, Qualitätsware zu kleinen Preisen feilzubieten und diese als Versender auch Menschen außerhalb der gut versorgten Ballungsräume zugänglich zu machen, geht auf - seine Quelle sprudelt. Nachdem die Amerikaner befinden, Gustav habe sich allzu gut mit dem NS-Regime arrangiert, wird er nach dem Krieg mit einem Berufsverbot belegt.

Da kommt seine zweite Ehefrau gerade recht, die als Lehrmädchen bei Quelle startet und zur rechten Zeit am richtigen Ort einen wahrhaft reichen Mann kennen lernt. Ihr wird der Verdienst zugeschrieben, das Unternehmen wieder aufgebaut zu haben. Bald darf der Gatte auch wieder mitmischen, und die Umsätze sollen jahrzehntelang stetig wachsen.

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