Montag, 17. Dezember 2018

Müller-Brot Wes Brot ich ess', des Firma ich kauf'

Zwischen Hans Müller senior und Konzernchef Klaus Ostendorf ist ein lange gärender Streit offen ausgebrochen. Ostendorf wird gefeuert, so Müller. Der Geschasste aber will sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen.

Neufahrn - Beim Großbäcker Müller-Brot ist offener Streit zwischen der Gesellschafterfamilie Müller und Konzernchef Klaus Ostendorf ausgebrochen.

Wer ist Herr über Müller-Brot? Klaus Ostendorf und die Familie Müller haben unterschiedliche Meinungen
Der Aufsichtsrat werde an diesem Donnerstag (26. Februar) darüber entscheiden, ob er Ostendorf das Vertrauen entzieht, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte Meinungsverschiedenheiten zwischen den Aktionärsgruppen von Müller-Brot über die künftige strategische Ausrichtung. Ostendorf selbst hält indirekt 35 Prozent der Anteile, die Mehrheit lag bisher bei der Familie Müller. Die genauen Besitzverhältnisse sind aber strittig.

Die Gräben zwischen Ostendorf und der Familie Müller sind tief. Nach Angaben der Müller-Seite hat eine Hauptversammlung Ostendorf das Vertrauen entzogen. Der Vorstandsvorsitzende bestritt die Wirksamkeit dieser Maßnahme.

Aufsichtsratschef? Welcher Aufsichtsratschef?

"Entgegen der Darstellung von Herrn Hans Müller senior gab es keine wirksame, von ihm geleitete Hauptversammlung der Müller-Brot AG am 19. Februar 2004", erklärten er und sein Finanzvorstand Wolfram Olschowy. Nach ihrer Einschätzung ist Hans Müller senior seit einigen Wochen nicht mehr Aufsichtsratschef des Unternehmens. Dies wird auf Seiten der Familie Müller anders gesehen.

Im vergangenen Sommer hatte Ostendorf, der bereits die angeschlagene österreichische Ankerbrot-Gruppe von Müller-Brot übernommen hatte, die Mehrheitsübernahme an dem süddeutschen Backriesen verkündet. Neben dem Erwerb eines Aktienpaketes des Finanzinvestors MOP war auch die Übernahme der Anteile der Familie Müller geplant.

Zuletzt verbuchte Müller-Brot einen Umsatz von rund 250 Millionen Euro. Wegen einer Vertragskündigung des Barilla-Konzerns hatte Müller-Brot im November die Entlassung von 350 Beschäftigten angekündigt. Dieser Vorgang sei aber nicht Anlass für den Streit gewesen, sagte der Sprecher. "Das sollte man trennen." Inzwischen hat das Unternehmen noch 2000 Beschäftigte.

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