Freitag, 16. November 2018

Heidi Horten Weiblich, ledig, reich

Es war mehr oder weniger ein Zufall, der Heidi Horten ein sorgenfreies Leben bescherte: Sie lernte in einer Bar am Wörthersee einen der einflussreichsten Wirtschaftskapitäne der Nachkriegszeit kennen. Diesem Umstand verdankt sie ein stattliches Vermögen und eine der größten Yachten der Welt.

Hamburg - Wenn eine gut aussehende, junge und dazu noch blonde Frau an einer Hotelbar sitzt, kann es durchaus passieren, dass sie von dem ein oder anderen Herrn angesprochen wird.

Von einem Reisenden vielleicht, der zwischen Ankunft und Abfahrt etwas Zerstreuung sucht, oder einem Geschäftsmann, der - unterwegs nach Hause - kurz einkehrt, um den gröbsten Ärger des Tages mit ein paar Gläsern Scotch hinunterzuspülen.

Im Fall von Heidi Jelinek war es Helmut Horten, mit dem sie in einer Hotelbar in Velden am Wörthersee ins Gespräch kam. Wie sich diese Begegnung genau zugetragen hat, ist allgemein nicht bekannt, fest steht aber, dass die Wienerin zu diesem Zeitpunkt jung (etwa 19 Jahre alt) und schön und Helmut Horten rund 30 Jahre älter und reich war.

1966 heirateten sie, und aus Heidi Jelinek wurde Heidi Horten, eine der reichsten Frauen der Bundesrepublik. Zu diesem Reichtum hat sie - vor der Ehe als Sekretärin tätig - wenig beigetragen. Er geht vor allem auf die Geschäfte ihres damaligen Gatten zurück. Helmut Horten, Jahrgang 1909 und gebürtiger Bonner, baute im Laufe seines Lebens den gleichnamigen Kaufhaus-Konzern auf.

"Reichsverteiler für Textilien"

Nach seiner Ausbildung zum Textilkaufmann übernahm er 1936 das Warenhaus Gebrüder Alsberg, dessen jüdischer Inhaber zur Emigration gezwungen worden war. Im gleichen Jahr eröffnete er ein zweites Kaufhaus in Wattenscheid. Bis 1939 kamen sechs weitere Neugründungen hinzu.



 Länge läuft: Knapp 100 Meter Schiff, elegant verpackt  Bulliger Bug: Carinthia VII am Kai  Porta Maxima: Freitreppen am Heck
 Spitznase: Stand Nofretete Modell?  Prächtiger Achtersteven: Heck mit Festbeleuchtung  Daycruiser: Die Carinthia VII im Hafen von Antibes

Heidi Hortens Mega-Yacht Carinthia VII:
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Während des Kriegs war Helmut Horten "Reichsverteiler für Textilien". Seine engen Kontakte zum Nazi-Regime brachten ihn 1947/48 für 17 Monate ins Internierungslager Recklinghausen. Kaum wieder auf freiem Fuß, nahm er seine Geschäfte erneut auf.

Die Horten-Kette entwickelte sich zum viertgrößten Warenhauskonzern in der Bundesrepublik hinter Karstadt, Hertie und Kaufhof. Aber anders als bei der Konkurrenz gehörte die Kette nur einem Einzelnen - Helmut Horten. Im November 1987 starb Horten und vermachte Ehefrau Heidi sein Vermögen.

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