Freitag, 16. November 2018

Jürgen Heraeus Der Mann im Mond

"Stolpern fördert", findet Jürgen Heraeus, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Unternehmens. Da scheint was dran zu sein. Unter seinen Händen entwickelte sich das weitverzweigte Konglomerat zu einer stattlichen Familienholding.

Hanau - Angehende Manager, so vertraute er einmal der "Frankfurter Rundschau" an, frage er im Bewerbungsgespräch nicht nur nach dem größten Erfolg, sondern auch nach der größten Niederlage. Denn Misserfolge, so Jürgen Heraeus, bringen einen weiter.

Unternehmer der alten Schule: Jürgen Heraeus
Von Misserfolg kann bei Heraeus nicht die Rede sein. Selbst auf dem Mond stehen mittlerweile Produkte des Hanauer Familienunternehmens. Dort bestimmt ein Messgerät der Heraeus Quarzglas regelmäßig die Entfernung zwischen der Erde und dem Trabanten.

Daneben ist der Konzern in den Bereichen Edelmetallhandel, Edelmetallprodukte, Dentalgeschäft, Sensoren und Medizintechnik tätig. Gerade diese Mischung verleiht seinem Unternehmen eine große Sicherheit, erklärte Heraeus jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur AP: "Diversifikation ist unsere Stärke." Florierende Geschäftsfelder könnten so vorübergehende Probleme in anderen Bereichen abfedern.

Familienunternehmer mit Leib und Seele

Über vier Generationen und 153 Jahre Firmengeschichte hinweg ist Heraeus ein Familienunternehmen geblieben. Einzig an der Firmenspitze wurde unlängst ein familienfremder Manager installiert. Der aber hielt es nicht lange bei Heraeus aus. Horst Heidsieck gab Anfang vergangenen Jahres seine Demission bekannt.

Erst acht Monate später wurde sein Nachfolger der Öffentlichkeit präsentiert. Der 54 Jahre alte Helmut Eschwey übernahm den Vorsitz der Heraeus-Geschäftsführung. Jürgen Heraeus hat den promovierten Chemiker gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden ausgesucht. "Wir waren eine ganz besondere Findungskommission, kommentierte Heraeus die Entscheidung. An den Besitzverhältnissen bei Heraeus wird auch der neue Chef nichts ändern. Das Eigentum am Unternehmen bleibt weiterhin in Familienhand.

Das soll auch so bleiben. An einen Börsengang wird nicht gedacht. 1995 wurde die "Einhorn Verwaltungsgesellschaft" gegründet, in die die Familiengesellschafter 90 Prozent ihrer Anteile einbrachten. Die 10 Prozent stimmberechtigten Anteile liegen weiterhin direkt bei den einzelnen Familienmitgliedern.

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