Montag, 19. Februar 2018

Familie Freudenberg Die Wischmopp-Millionäre

Aus einer kleinen Gerberei hat Familie Freudenberg einen internationalen Konzern geschmiedet. Ihre unspektakulären Produkte finden sich in jedem Haushalt, in Autos, auf Flughäfen und Bahnhöfen.

Hamburg - Dass ein deutsches Unternehmen auf eine jahrzehntelange Geschichte zurückblicken kann, ist nicht ungewöhnlich. Gleich 154 Jahre haben allerdings nur wenige deutsche Firmen auf dem Buckel. Freudenberg schon.

Bringt Umsatz: Wischmopp
Angesichts der langen Unternehmenshistorie liegt der Schluss nahe, das der in Weinheim an der Bergstraße beheimatete Konzern überaus bekannt ist. Oder wenigstens dessen Produkte. Wer aber diesbezüglich eine Umfrage in Auftrag geben würde, wird wohl enttäuscht. Wer weiß schon, dass das Vileda-Haushaltstuch oder der in der Automobilindustrie unverzichtbare Simmerring unzertrennbar mit dem Familiennamen verknüpft ist?

Unübersichtlicher Gemischtwarenladen?

Die Keimzelle des Familienkonzerns war die Lederproduktion. Gründervater Carl Johann Freudenberg übernahm im Jahre 1849 im badischen Weinheim eine Gerberei und glaubte an den Erfolg des Produkts. Zu Recht - 80 Jahre lang erwirtschafteten die Weinheimer ihren Umsatz ausschließlich mit Leder. Freudenberg war gleichsam ein Synonym für feine Lack- und Kalblederverarbeitung.

Die Nachfolgegeneration des Gründers bewies in schwierigen Zeiten cleveren Unternehmergeist. Weil im Zweiten Weltkrieg die Lederproduktion einbrach, entwickelte Freudenberg das Kunstleder, aus dessen Trägermaterial das breite Angebot an Vliesstoffen entstand. Bald wurde das Vileda-Haushaltstuch in den Kolonialwarenläden feilgeboten.

Gummischuhsohlen, Fußbodenbeläge, Spezialschmierstoffe: die Produktpalette wurde zügig erweitert. Durch stetiges Wachstum entstand ein Mischkonzern, der 2002 knapp vier Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet hat und 27.000 Mitarbeiter in 43 Ländern beschäftigt. Ein unübersichtlicher Gemischtwarenladen, sagen die einen. Ein straff geführtes, hochgradig diversifiziertes Familienunternehmen, die anderen.

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