Mittwoch, 21. November 2018

Familie Freudenberg Die Wischmopp-Millionäre

2. Teil: 293 Gesellschafter haben das Sagen

Von seinem Ursprung ist der Konzern produkttechnisch mittlerweile Lichtjahre entfernt. So hat sich Europas einst größter Gerber aus der unrentablen Lederproduktion verabschiedet. Bedingungslos setzt die Führungsriege den schriftlich fixierten Unternehmensgrundsatz "in jedem Geschäftsfeld Marktführer oder Zweiter zu werden" um.

Simmerringfertigung bei Freudenberg
Trotz des in späteren Jahren durchgesiebten Produktportfolios erscheint das Angebot unübersichtlich - ebenso wie die Beteiligungsstruktur. Allein 213 verbundene Unternehmen finden sich im Geschäftsbericht - dazu kommt das Heer der Gesellschafter. Es erscheint kaum möglich, die Meinungen von aktuell 293 Gesellschaftern unter einen Hut zu bringen. Dagegen mutet die Quadratur des Kreises einfacher an.

Damit nicht über alles und jeden gestritten wird, ist in einem Kommanditvertrag zumindest Grundsätzliches festgeschrieben worden. Zum Beispiel die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens und die Vorherrschaft der Firmeninteressen vor denen der Familie.

"Mann des Maßhaltens und des geduldigen Abwägens"

Dabei ist der Ehrgeiz unter den Familienmitgliedern unterschiedlich verteilt. Während einige sich damit zufrieden geben, einmal im Jahr zur Gesellschafterversammlung zu erscheinen, sind andere wiederum maßgeblich operativ tätig.

Reinhart Freudenberg (71) zum Beispiel hat lange die erste Geige gespielt. Der gebürtige Berliner brachte es vom Lehrling in der Gerberei zum langjährigen Sprecher der Unternehmensleitung. Seit 1997 steht er als Vorsitzender des Gesellschafterausschusses dem wichtigstem Amt im Konzern vor.

Reinhart Freudenberg, einmal als "Mann des Maßhaltens und des geduldigen Abwägens" apostrophiert, hat etwas in Gang gesetzt, das nicht vielen Familienunternehmen gelingt oder auf Dauer Bestand hat: einen familienfremden Manager als Vorstandschef zu installieren.

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