Mittwoch, 21. November 2018

Johanna Quandt Die stille Witwe

2. Teil: Privatsphäre ist ihnen heilig

Privatsphäre ist ihnen heilig

Den Verkaufsplänen des Managements leisten aber an diesem denkwürdigen Tag Gewerkschafter, Belegschaft und Kleinaktionäre unerwartet heftigen Widerstand, schließlich gelingt es ihnen sogar, Herbert Quandt für ihre Sache zu gewinnen. Gegen den ausdrücklichen Rat seiner Bankiers entschließt Quandt sich zu einer Ausweitung seines Engagements und stockt seinen Anteil an BMW auf rund ein Drittel, später auf knapp 50 Prozent der Aktien auf.

Die Sanierung des am Boden liegenden Unternehmens gelingt dank seines persönlichen Einsatzes und der von ihm in die Firmenleitung entsandten Manager rasch: Schon 1962 schreiben die bayerischen Autobauer schwarze Zahlen und erwirtschaften fortan Jahr für Jahr Gewinne. Einziger Wermutstropfen dieser Erfolgsgeschichte: Zu seinem großen Missfallen rückt der Retter schlagartig in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Doch bleibt es bei einer Momentaufnahme. Wie schon sein Vater entzieht auch Herbert Quandt sich konsequent allzu neugierigen Blicken. Er meidet die Öffentlichkeit aus Familientradition. Aber auch wegen eines schweren Augenleidens, das ihn von Kindesbeinen an plagt und im Alter fast erblinden lässt.

Ein normales Leben führen

Seine dritte Ehefrau teilt diesen Hang zur Zurückgezogenheit. Privatsphäre und ungestörtes Familienleben sind Johanna Quandt heilig, Bescheidenheit gilt ihr als Tugend. Vor allem aber möchte sie, dass die zwei gemeinsamen Kinder, die 1962 geborene Susanne und der vier Jahre jüngere Stefan, ein normales Leben führen können. Damit ist es jedoch spätestens 1978 vorbei: Die Entführung von Mutter und Tochter wird von der Polizei erst im letzten Augenblick vereitelt. Leibwächter sorgen von nun an für Schutz und Sicherheit.

1982 verstirbt Herbert Quandt im Alter von 71 Jahren überraschend. Frau und Kindern hinterlässt er ein wohl bestelltes Haus, in dem er während seiner letzten Lebensjahre gründlich Ordnung geschaffen hatte. 1977 hatte Quandt die Varta-Gruppe entflochten und die Batterieproduktion der neuen Varta zugeschlagen, die Pharmasparte in die Altana Börsen-Chart zeigen überführt, das Elektrizitätsgeschäft in der Ceag Börsen-Chart zeigen zusammengefasst. Die Anteile an der neuen Varta hatte er anschließend seinen drei Kindern aus zweiter Ehe übertragen. Ceag, Altana, BMW und seine übrigen Vermögenswerte vermacht er Johanna, Susanne und Stefan.

1996 zieht sich Johanna Quandt zurück

Mit der Überwachung der Modalitäten seines Testaments wird Herbert Quandts langjähriger Weggefährte und persönlicher Generalbevollmächtigter Hans Graf von der Goltz betraut, der zugleich engster Berater der Witwe Quandt wird. Diese vertritt nun in den verschiedenen Aufsichtsräten mit leiser Stimme, aber entschieden die Interessen ihres verstorbenen Mannes. 1988 endet die Testamentsvollstreckung für Susanne, vier Jahre danach auch die für Stefan Quandt.

Nach und nach beginnt Johanna Quandt, sich aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen. Sie verzichtet 1996 zunächst auf ihr Mandat bei Altana, im Jahr darauf auch auf das bei den Bayerischen Motorenwerken, an denen die Familie Quandt mit knapp 47 Prozent der Aktien beteiligt ist. In Bad Homburg residiert die inzwischen 78 Jahre alte Dame in einer schmucklosen Villa - abgeschirmt von hohen Hecken, unspektakulär und diskret, so wie sie es immer schon schätzte.

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