Freitag, 14. Dezember 2018

Familie Kriegbaum Die beugsamen Schwaben

Geiz ist geil für Großkonzerne. Schon im Monopoly der Neunziger teilten sie den deutschen Lebensmittelmarkt untereinander auf. Die Böblinger Kriegbaum-Gruppe, eine "Parkstraße" der Branche, widerstand dem Trend lange. Umso größer das Entsetzen, als der Gründerenkel das Familienerbe an Metro preisgab.

Böblingen - Was braucht es, um einen Mann schwach werden zu lassen? Den Spross einer schwäbischen Unternehmerfamilie, der das Geschäftemachen, das Wirtschaften und Konsolidieren, das Sparen und Handeln mit der Muttermilch aufgesogen hat - was braucht es, um ihm das väterliche Erbe abzukaufen?

Richard Kriegbaum hat stets getan, was man erwarten kann vom Nachkommen einer Böblinger Geschäftsfamilie, deren Einzelhandelsgruppe zwar auf Schwaben beschränkt ist, aber immerhin zuletzt knapp drei Milliarden Mark umsetzte. Wieder und wieder wies er Spekulationen weit von sich, sein Gschäftle sei ein Übernahmekandidat, damals in den gierigen Neunzigern, als ein Einzelhändler den anderen schluckte.

Die Angst ging um bei den mittelständischen Ketten, Tante Emma war längst in Rente gegangen. Die Ladenschilder in deutschen Einkaufsstraßen wurden einsilbiger, trugen die immer gleichen Namen. Kafu verschwand, Pfannkuch, Kathreiner und die Supermärkte von Nanz. Wertkauf landete im Bauch von Wal-Mart Börsen-Chart zeigen, dem größten Einzelhändler der Welt. Im Februar 1998 schließlich, völlig überraschend, wurde auch Allkauf abgestoßen, verschwand aus den Händen der Gründerfamilie Viehof in den verästelten Weiten des Metro-Imperiums Börsen-Chart zeigen.

Kein Zweifel an der Selbstständigkeit

"Steht auch Kriegbaum zum Verkauf?", fragte die "Lebensmittel Zeitung" Richard Kriegbaum. "Haben Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als zehn Milliarden Mark langfristig überhaupt noch eine Überlebenschance?" Nahe liegende Fragen, bange Fragen einer Zeitung, die später angesichts der Gleichmacherei der Sortimente wehmütig ausrief: "Gebt die Regionen zurück!"

"Kriegbaum bleibt ein selbstständiges Familienunternehmen." Richard Kriegbaum ließ überhaupt keinen Zweifel. Die Übernahmegerüchte nähmen groteske Züge an, sein Unternehmen stehe doch gut da. Er baue auf eine kundennahe Regionalstrategie. Wo immer sein Unternehmen vertreten sei, könne es in puncto Marktanteile gegen die Großen bestehen.

Das sagte er am 20. März 1998. Zu diesem Zeitpunkt sollte ihm das Unternehmen schon nicht mehr gehören - rückwirkend. Im August desselben Jahres wurde sich die Familie mit dem Käufer handelseinig. Die Kriegbaum-Gruppe mit ihren zahlreichen Marken wie Multi Center, Multi City, Topkauf oder EKZ, mit 27 Warenhäusern, 16 Verbrauchermärkten, 14 Versorgermärkten, 35 Baumärkten, vier Cash-and-Carry-Märkten und 5650 Mitarbeitern wurde verkauft. Mit Wirkung zum 1. März war der neue Eigner die Metro-Tochter Real.

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