Donnerstag, 15. November 2018

August von Finck Edelmann ohne Fortune

2. Teil: Der freie Bürger und sein Edelmann

Der freie Bürger und sein Edelmann

Die stille Teilhabe lag August junior im Gegensatz zum Vater nie. Wo immer sich der reiche Erbe finanziell engagierte, wollte er auch das Sagen haben - mit oder ohne Mandat. Doch die Neigung, jedem den Laufpass zu geben, der nicht auf seiner Linie lag, erwies sich selten als segensreich.

Keimzelle des Familienvermögens: Merck Finck-Stammhaus in München
So servierte er etwa bei seinem Einstieg in die Schweizer Gastronomie- und Hotelkette Mövenpick kurzerhand das Management ab und bescherte dem Konzern damit eine handfeste Krise. Ähnlich rücksichtslos verfuhr der hochgewachsene Edelmann, den einstige Gefährten als höflich und charmant, aber auch verschroben und zuweilen bösartig charakterisieren, beim endgültigen Abschied vom familiären Bankgeschäft.

Nach anfänglicher Begeisterung ermattete das Interesse des Barons an Merck Finck & Co. zusehends. Immer öfter mied er die mühevolle Kernerarbeit des Tagesgeschäfts. Stattdessen schlich er lieber mit der Flinte durchs Unterholz und inspizierte nach der Jagd die hauseigene Forellenzucht. Mehr und mehr trieb ihn aber auch die Angst vor Fehlentscheidungen um, die ihn als persönlich Haftendem im schlimmsten Fall das gesamte Privatvermögen kosten konnten.

In einer beispiellosen Nacht-und-Nebel-Aktion verscherbelte er schließlich sein Geldhaus im Herbst 1990 für rund 300 Millionen Euro an die britische Barclays Bank. Seinen mithaftenden Gesellschafter Adolf Kracht überging von Finck dabei schlicht: Über so eine Sache könne er doch unmöglich vorher mit dem Portier oder einem Herrn Kracht reden.

Mit dem Geldsack über die Alpen

Mit dem Verkauf habe August von Finck ein für alle Mal aus dem überlangen Schatten seines Vaters heraustreten wollen, vermuten Beobachter das nahe Liegende. Nicht zuletzt aber bildete dieser Schritt den Auftakt für eine gezielte Absetzbewegung in Richtung Schweiz. Nach und nach trennte sich von Finck vom meisten, was hier zu Lande von Wert war: Beteiligungen an der Allianz und der Münchener Rück, der DSK-Bank, dem Stromversorger Isar-Amperwerke, am Ende auch von Löwenbräu.

Die Erlöse investierte er jenseits der Alpen, etwa bei dem Maschinenbauer von Roll, in Alusuisse-Lonza und dem Mischkonzern Oerlikon-Bührle. Dabei trieben ihn eine geradezu krankhafte Furcht vor der "konfiskatorischen Erbschaftsteuer" wie auch eine wachsende Unzufriedenheit mit der deutschen Politik, die er seit dem Tod seines Freundes Franz Josef Strauß ihres letzten Hoffnungsträgers beraubt sah. Man könne machen, was man wolle, lamentierte der Milliardär einst im kleinen Kreis, wenn der Staat so weitermache, werde er uns alle zum Schluss noch vernichten.

Kampf gegen den Euro verloren

Dieses Schicksal konnte der heute 73-Jährige zumindest von seinem eigenen Vermögen abwenden. Vor rund fünf Jahren siedelte er nebst Sippe ins hochherrschaftliche Schloss Weinfelden im Kanton Thurgau über, wo der Edel-Exilant mit nicht eben als raffgierig geltenden Schweizer Fiskalbeamten seine jährliche Steuerpauschale verhandeln kann.

Einen praktisch klitzekleinen Anteil dieses Vermögens investierte der Auswanderer in den Kampf gegen den Euro. So erhielt die Partei des rechtsgerichteten Manfred Brunner, der Bund Freier Bürger (BFB), nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" von 1992 bis 1998 etwa 8,5 Millionen Mark (4,3 Millionen Euro) in bar von dem Milliardär. Manfred Brunner erklärte einmal, der Baron habe ihn zu einer festen Größe im politischen System Deutschlands machen wollen. In diesem - wie auch anderen - Fällen hat der Baron allerdings keine Fortune gehabt.

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