Donnerstag, 15. November 2018

Familie Bosch Ritter der Tafelrunde

4. Teil: Zentrum der Macht

Die Unbeweglichkeit resultiert aus der Konstruktion des Konzerns. Das Mutterunternehmen, die Robert Bosch GmbH, gehört zu 92 Prozent der Robert Bosch Stiftung. Die Stiftung investiert die Gewinne der GmbH in gemeinnützige Zwecke. Sie ist eine der großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland und hat bis Ende 2001 rund 540 Millionen Euro ausgeschüttet. Die restlichen acht Prozent am Unternehmen verbleiben bei den Nachkommen des Firmengründers aus zweiter Ehe, Robert Bosch junior, Eva Madelung und acht Enkeln.

Das Patronat: Die Robert Bosch Industrietreuhand KG
Entscheidungsgewalt hingegen haben weder Stiftung noch Familienmitglieder. Über die Macht im Haus verfügt allein die Robert Bosch Industrietreuhand KG, die zwar nur ein Promille der Anteile am Unternehmen hält - dafür aber 93 Prozent der Stimmrechte. Gegenwärtig besteht die Industrietreuhand aus acht Gesellschaftern.

Bosch-Chef Hermann Scholl und Wolfgang Eychmüller, Aufsichtsratsvorsitzender der Ulmer Wielandwerke, sind Komplementäre, die anderen sechs Gesellschafter sind Kommanditisten der Industrietreuhand. Die Mitglieder, darunter Honoratioren wie der ehemalige DIHT-Präsident Hans Peter Stihl und UBS-Generaldirektor Urs Rinderknecht, sind noch von Bosch-Legende Hans L. Merkle handverlesen. Mit dem Vorstandswechsel zur Jahresmitte wird Wolfgang Eychmüller das Gremium verlassen, Fehrenbach rückt als Kommanditist nach.

"Bisher war ich eher Unternehmer im Sandkastenformat"

Und was macht Christof Bosch, das einzige Familienmitglied im Gremium der Entscheider? Der 45-jährige studierte Forstwirt leitet das Gut Moosaurach im bayrischen Voralpenland, das schon sein Großvater kaufte. Eine Karriere im Unternehmen seines Großvaters kam für Christof Bosch nie in Frage. Er hörte auf seinen Vater Robert Bosch, den Jüngeren, der ihm geraten hatte, "den eigenen Weg zu gehen und nicht den bequemeren in der Firma".

Trotzdem ist seine Position als Familiensprecher eine Herausforderung. "Bisher war ich eher Unternehmer im Sandkastenformat", sagt Christof Bosch in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Eines aber ist sicher: "Die Familie will an ihrem Anteil langfristig festhalten." Daran lässt Christof Bosch keinen Zweifel aufkommen.

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