Freitag, 31. März 2017

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Die Malik-Kolumne Gefährliche Worte

2. Teil: EBA - Earnings before anything

EBA - Earnings before anything

Die weiteren Schritte waren vorherbestimmt und unvermeidbar: Es kamen Ebitd, Ebitda und so weiter, alles Kennziffern, die aus der Betrachtungswelt von Buchhaltern, Wirtschaftsprüfern und Investmentbankern stammen, für die Führung eines Unternehmens aber völlig unbrauchbar sind. Anlässlich eines Symposiums habe ich mir erlaubt, eine "ganz neue" Kennziffer vorzuschlagen, nämlich EBA - Earnings before anything ... Es dauerte eine Weile, bis die Ironie im Publikum verstanden wurde.

"Wichtig ist, was hinten rauskommt"
Das bekannte Zitat belegt: Helmut Kohl legte Wert auf das Endergebnis
Diese finanzwirtschaftlichen Kennziffern mögen in verschiedenen Fällen ihren Nutzen haben. Sie sind aber untauglich für die Führung eines Unternehmens, für jene Funktion, die das Wirtschaftsergebnis überhaupt erst produzieren muss, bevor es dann bewertet werden kann. Alle finanzwirtschaftlichen Kennziffern sind für die Führung höchst problematisch, weil sie den wirklich wesentlichen Dingen des Managements hinterher laufen.

Aus dem inzwischen großen Vorrat an Kennziffern eignet sich für den Führungszweck im Grunde nur eine einzige: EAE - Earnings after everything. Erst nachdem alle erforderlichen Rückstellungen vorgenommen sind, alle Reserven gebildet wurden, um auch schlechte Zeiten überstehen zu können, kann man von echten Ergebnissen sprechen.

Die eigentliche Fehlentwicklung begann mit der Verwechslung der Betrachtungsweise und Zwecksetzung der Unternehmensführung mit jener der Investoren und ihrer Consultants. Es war gleichzeitig die Verwechslung des realwirtschaftlichen Zwecks eines Unternehmens mit finanzwirtschaftlichen Zwecken von Anlegern. Diese Verwechslung öffnete die Tore für eine geschichtlich einmalige Periode der scheinbar legitimen Bilanzmanipulation, Bilanzfälschung, des Betruges am Publikum und der exzessiven Einkommensgestaltung von Managern.

Damit ging gleichzeitig die systematische Schwächung von Unternehmungen einher, was von nicht wenigen Medien als Beweis besonders fortschrittlicher Unternehmensführung hingestellt wurde - Ebit und Ebitda sahen schließlich gar nicht so schlecht aus. Fürwahr, gefährliche Worte.

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