Freitag, 16. November 2018

Lion Bioscience Ausgebrüllt

An den desaströsen Zahlen des Informatikhauses soll es auf keinen Fall gelegen haben: Firmengründer Friedrich von Bohlen gibt seinen Rückzug von der Lion-Spitze bekannt. Wie es heißt, weil so die Strategie geändert werden kann.

Heidelberg - Der Vorstandschef und Gründer des Biotechnologie-Unternehmens Lion Bioscience Börsen-Chart zeigen, Friedrich von Bohlen, tritt zum Jahresende zurück. Künftig werden Finanzvorstand Martin Hollenhorst sowie Marketing- und Vertriebschef Daniel Keesman das Heidelberger Unternehmen führen, teilte Lion am Montag mit.

 Will in den Lion-Aufsichtsrat: Friedrich von Bohlen
LION bioscience
Will in den Lion-Aufsichtsrat: Friedrich von Bohlen
Von Bohlen leitete Lion Bioscience seit 1997. Die Aktie des im TecDAX Börsen-Chart zeigen geführten Unternehmens stieg nach Bekanntwerden des Führungswechsels am Vormittag um 1,13 Prozent 3,59 Euro.

Im ersten Halbjahr 2003/2004 (31. März) war der Umsatz des Heidelberger Unternehmens von 12,3 Millionen Euro auf 7,5 Millionen Euro eingebrochen. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde daraufhin im November von bislang 27,5 Millionen auf 20 Millionen Euro gesenkt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres war das Unternehmen noch von einem Jahreserlös von 40 Millionen Euro ausgegangen. Zum Jahresende rechnet Lion mit einem Nettoverlust zwischen 22 und 25 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis zum Ende des Geschäftsjahres von 270 auf 190 reduziert werden.

Lions Arzneiabteilung hat noch von Bohlen verkauft

Lion wolle sich künftig noch stärker als IT-Unternehmen ausrichten, hieß es zur Begründung für den Wechsel an der Spitze - eine Parole, die der Biochemiker und promovierte Neurobiologe von Bohlen auch schon ausgegeben hatte. Nun, so die offizielle Information, will der 41-jährige von Bohlen den Weg für diese Entwicklung frei machen.

Das Heidelberger Unternehmen war mit einer dualen Strategie gestartet, die die Arzneimittelforschung und die Informationstechnologie umfasste. Im Vorjahr war die Arzneimittelforschung geschlossen worden. Künftig soll die Entwicklung und Anwendung von Informationssystemen für die Arzneimittelforschung ausgebaut werden.

Von Bohlen wird bei der nächsten Hauptversammlung am 12. August 2004 als Mitglied für den Aufsichtsrat kandidieren. Seinen Anteil von 12,67 Prozent oder rund 2,51 Millionen Aktien will er nach Unternehmensangaben nicht verkaufen.

Pläne für ein Engagement außerhalb des Unternehmens hat von Bohlen nach Angaben einer Unternehmenssprecherin derzeit nicht.

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