Sonntag, 16. Dezember 2018

Manfred Lautenschläger Glorreicher Aufstieg, tiefer Fall

Drei Jahrzehnte lang sonnte sich der Finanzdienstleister im Erfolg. Jetzt muss Mitgründer Manfred Lautenschläger sein Lebenswerk retten. Zweifel an der Bilanzierungspraxis brachten den Börsenwert zum Einsturz und Lautenschlägers Kronprinz Termühlen um seinen Job.

Hamburg - Als MLP-Chef Bernhard Termühlen Ende Oktober seinen Posten räumte, war das der vorerst letzte Tiefschlag für MLP-Mitbegründer Manfred Lautenschläger. Nach einer Serie von Vorwürfen wegen fragwürdiger Bilanzierungsmethoden endete der Höhenflug des Finanzdienstleisters beinahe mit einer Bruchlandung.

Vor dreißig Jahren Pionier: Manfred Lautenschläger
Fast dreißig Jahre schrieb der Finanzdienstleister sagenhafte Gewinne, fast dreißig Jahre sonnte sich MLP im Erfolg. Denn die Geschäftsidee, mit der die Gründer Manfred Lautenschläger und Eicke Marschollek vor 32 Jahren an den Markt gingen, war so einfach wie genial - man konzentrierte sich beim Verkauf von Versicherungen einzig und allein auf Akademiker; Berufsanfänger, die alle Aussichten auf eine viel versprechende Karriere haben.

1971 gründeten Lautenschläger und Marschollek ihr Unternehmen: Marschollek, Lautenschläger und Partner, kurz MLP Börsen-Chart zeigen. Mitarbeiter wurden akquiriert und deutschlandweit zahlreiche Geschäftsstellen aufgebaut, immer in der Nähe von Hochschulen. Die Geschäftsidee ging auf.

Aufstieg und Fall

30 Prozent Wachstum bei Umsatz und Gewinn waren bei MLP in Boomzeiten keine Seltenheit. Der Unternehmensgründer dankte seinen Mitarbeitern ihre gute Arbeit mit Gratisaktien - 1988 folgte der Börsengang.

1999 gab Manfred Lautenschläger die Unternehmensführung an Bernhard Termühlen ab, den MLP-Aufsteiger und "Spitzenmann, aus dem ein Weltmeister geworden ist" (O-Ton Lautenschläger). Lautenschläger wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats.

Eigentlich wollte er sich fortan vor allem um seine Stiftung kümmern, die er im selben Jahr ins Leben rief. Aber statt ruhiger Stunden mit entspannten Rennradtouren im Heidelberger Umland begannen für Lautenschläger bald turbulente Monate. Im Frühjahr vergangenen Jahres begann der gewöhnlich gut geölte MLP-Motor zu stottern. "Bilanzbetrug" lautete der unschöne Vorwurf, den ein Anlegermagazin dem Finanzdienstleister medienwirksam unterschob.

Der damalige MLP-Chef Bernhard Termühlen dementierte, bemühte sich um Schadensbegrenzung und erwirkte eine Reihe von Unterlassungserklärungen. Allein der Versuch der endgültigen Börsenrehabilitation schlug trotz erneuter Buchprüfungen fehl. Von Mai bis Mitte Juni 2002 büßte MLP auf Grund der Vorwürfe 45 Prozent seines Börsenwertes ein.

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