Mittwoch, 19. Dezember 2018

Annemarie Findel-Mast Die Jägermeisterin

Es gibt nur einen deutschen Schnaps, der weltweit erfolgreich ist: den Kräuterlikör mit dem Hubertushirschen. Verschwiegene Herrscherin über das geistreiche Imperium ist Annemarie Findel-Mast.

Hamburg - Genug ist genug. Im November 1997 legte Günter Mast sein Amt als Aufsichtsratschef nieder und kehrte Jägermeister enttäuscht den Rücken. 45 Jahre lang war er dem Betrieb seiner Cousine Annemarie Findel-Mast treu gewesen, fast ein Vierteljahrhundert als Vorstandschef.

Drink mit Hubertushirsch: Wolfenbütteler Exportschlager
Mast räumte seinen Posten allerdings nicht freiwillig. Vorangegangen war ein Streit zwischen ihm und Annemarie Findel-Mast, die zusammen mit ihrer Tochter Susan Buschke alle Aktien der Wolfenbütteler Likördestille hält.

Die Fehde hatte mehrere Gründe. Zum einen hatte Günter Mast nach der Wende 100 Millionen Mark in die blühenden Landschaften gepumpt. Mit dem Geld baute er eine Schnapsfabrik und kaufte außerdem ein Hotel und zwei Schlösser. Das war der Hauptaktionärin offensichtlich zu viel.

Hauptsache, die Zahlen stimmten

Vor allem aber hatte er in einem wesentlichen Punkt versagt: Ihm war es zwei Jahrzehnte lang nicht gelungen, einen Nachfolger zu finden. Günter Mast hatte die Geduld der langmütigen Cousine einfach überstrapaziert.

Die Familienbande waren augenscheinlich nie sonderlich eng gewesen. Dem Vernehmen nach trafen sich die Masts nur einmal im Jahr - zur Hauptversammlung.

Dieses rudimentäre Bekenntnis zur Verwandtschaft reichte für die stillschweigende Symbiose, die über Dekaden reibungslos funktionierte. Cousin Günter durfte schalten und walten wie ein König - Hauptsache, die Zahlen stimmten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH