Mittwoch, 31. August 2016

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Familie Schlecker Knüppeln, knausern, kontrollieren

Mit Discountpreisen für Pulver und Pasten, Puder und Parfums gelang der Familie des schwäbischen Metzgers Anton Schlecker der Aufbau eines stattliches Drogerieimperium. Geholfen hat dabei eine schlichte Unternehmensphilosophie.

Hamburg - Ihr Ruf als Arbeitgeber ist nicht der beste. Großzügigkeit, besondere Fürsorglichkeit gar, sind vermutlich das Letzte, was Gewerkschafter und viele der Mitarbeiter den Schleckers nachsagen würden.

  Regiert mit harter Hand:  Anton Schlecker
DPA
Regiert mit harter Hand: Anton Schlecker
Als Herrscher über ein mittlerweile europäisches Drogerieimperium wurden Christa und Anton Schlecker häufig kritisiert.

Vor rund fünf Jahren bekamen sie es schwarz auf weiß und im Namen des Volkes: Das Stuttgarter Landgericht erließ Strafbefehl gegen Herrn und Frau Schlecker - je zehn Monate auf Bewährung und eine Million Euro Geldstrafe lautete das Urteil damals. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass das Unternehmer-Ehepaar viele seiner Beschäftigten schlichtweg betrogen hatte. Bis 1995 gaukelten die beiden hunderten Verkäuferinnen die Zahlung von Tariflohn vor, speisten sie tatsächlich aber mit weniger ab.

"Geradezu berüchtigt"

Das hat sich erst Mitte 2001 geändert. Da konnte die frisch aus der Taufe gehobene Mega-Gewerkschaft Verdi einen ganz besonderen Erfolg feiern: Schlecker unterzeichnete einen Anerkennungstarifvertrag, der bundesweit gilt. Bis dato hatte der Drogeriediscounter in Gewerkschaftskreisen als "geradezu berüchtigt" gegolten.

Das unter anderem deswegen, weil Anton Schlecker selbst Niederlagen zu seinem Vorteil ummünzt. "Die zu Beginn der Ermittlungen und noch in der Anklageschrift erhobenen Vorwürfe konnten im erheblichen Umfang nicht aufrecht erhalten werden", räsonierte er vollmundig nach der Urteilsverkündung. Weder die Niederlage vor Gericht noch die gegenüber der Gewerkschaft kratzen an seinem Selbstbewusstsein. Anton Schlecker ist eben kein Mensch, der aufgibt.

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