Montag, 10. Dezember 2018

Karl und Theo Albrecht Billigheimer der Nation

Im Reich der Billig-Supermärkte regieren sie als die ungekrönten Discount-Könige. Heute beschert das Aldi-Imperium den verschwiegenen Brüdern Karl und Theo Albrecht einen sorgenfreien Lebensabend.

Hamburg - Absehbar war er nicht, dieser fulminante Aufstieg der Brüder Albrecht von kleinen Krautern zu "Discountern mondiale". Doch gerade darin liegt ja der besondere Charme veritabler Erfolgsgeschichten: Sie gleichen einem Gipfelsturm aus dem Stand - ohne Netz und doppelten Boden. In diesem Fall sprechen wir am besten von der Ruhrpott-Variante des amerikanischen Traumes.

Eine von vielen: Aldi-Nord-Filiale
Es sind die viel zitierten einfachen Verhältnisse, unter denen Karl Albrecht, Jahrgang 1920, und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Theodor ("Theo") aufwachsen. Der Vater, ein ehemaliger Bergmann, verdingt sich als schlecht bezahlter Bäcker in einer Brotfabrik, nachdem er sich "unter Tage" eine Staublunge zugezogen hat. Die Mutter unterhält im Essener Arbeiterviertel Schonebeck einen kleinen Lebensmittelladen.

Beide Albrecht-Sprösslinge treten nach dem Besuch der Mittelschule in die Fußstapfen der Mutter. Theo absolviert seine Lehre zum Lebensmittelhändler im elterlichen Laden, Karl in einem renommierten Feinkostgeschäft. Der Krieg unterbricht auch ihre Berufslaufbahnen und verschlägt den Jüngeren einstweilen nach Afrika zu einer Nachschubeinheit, der Ältere fristet sein Soldatendasein an der Ostfront. Kein ungewöhnliches Schicksal für die damalige Zeit.

Wirtschaftswunderjahre nach Aldi-Fasson

Einen ersten Wendepunkt im Leben der beiden Heimkehrer markiert das Jahr der Währungsreform. 1948 schaffen die Brüder Albrecht ihren persönlichen Neuanfang, indem sie die erste eigene Lebensmittelhandlung gründen und diese rasch zu einer kleinen Kette ausbauen. Ihre Geschäftsidee: im Gegensatz zum damals florierenden Konsum, der noch mit Rabattmarken arbeitete, die gesammelt und am Ende des Jahres abgerechnet wurden, gewährten die Brüder den Preisnachlass sofort.

Außerdem verkaufte man Butter zu Niedrigstpreisen. Der Legende nach mussten die Angestellten die begehrte Ware jeden Abend in den Keller tragen. Die Brüder Albrecht waren zu geizig, um sich Kühltheken anzuschaffen.

Die Geschäftsidee bewährte sich und war Auftakt einer nachgerade stürmischen Expansion. Denn in den folgenden zehn Jahren schießen im gesamten Ruhrgebiet weitere Filialen wie Pilze aus dem Boden: Im Ganzen über 300, die Umsatzschwelle von 100 Millionen Mark wird schon bald überschritten.

Ihre eigentliche Bestimmung aber finden die "Revier-Höker" erst zu Beginn der sechziger Jahre. In Dortmund eröffnen sie 1962 den ersten Aldi-Markt: Spartanisch eingerichtet, mit einem stark gestrafften Warenangebot und konkurrenzlos niedrigen Preisen. Ohne Wenn und Aber verschreiben sich Karl und Theo von nun an der Discount-Idee ("Albrecht-Discount") und mutieren zu den "Billigheimern der Nation" - pardon, zum preiswertesten Wettbewerber der Republik.

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