Sonntag, 16. Dezember 2018

Karl und Theo Albrecht Billigheimer der Nation

3. Teil: Pfennigfuchser und Geheimniskrämer

Pfennigfuchser und Geheimniskrämer

Über das Privatleben des prominenten Geschwisterpaars ist dagegen noch immer so gut wie nichts bekannt. Die Publikumsabstinenz der Brüder, ihre Verschwiegenheit, wenn es ums Geschäft, gar um Zahlen geht, ist mindestens so legendär wie ihre Dumping-Preise. Dabei seien die Albrechts durchaus nahbare und zuvorkommende Menschen, korrekt und höflich, leicht im Gespräch, wie der frühere Aldi-Manager Dieter Brandes zu berichten weiß.

Den Gedanken - sollten sie denn je mit ihm gespielt haben - diese Haltung nach außen zu tragen, verwerfen sie spätestens 1971, als Theo Opfer einer Entführung wird. Das Drama dauert 17 Tage und findet erst mit der Zahlung von sieben Millionen Mark Lösegeld ein halbwegs glimpfliches Ende.

Die Protagonisten der Aldi-Story ziehen sich anschließend völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Ihr Unternehmen dagegen entwickelt sich zum Global Player. Nicht nur in Deutschland, das die Brüder Albrecht Anfang der sechziger Jahre in eine Nordhälfte unter der Obhut Theos und eine Südhälfte unter der Leitung Karls aufgeteilt haben, bauen sie das Filialnetz auf bis heute über 3500 Läden aus.

Mit Aldi um die halbe Welt

Parallel dazu expandiert Aldi ins europäische Ausland ebenso wie in die USA und zuletzt nach Australien. Dank einer neuen Offenlegungspflicht wissen Konkurrenten und andere Interessierte unterdessen sogar recht genau, wie viel Geld die Albrechts in ihrem Handelsimperium umsetzen: Weltweit stolze 31,9 Milliarden Euro, die ihnen im Jahr 2000 Hochrechnungen zufolge einen Gewinn von gut 500 Millionen Euro beschert haben sollen. Im vergangenen Jahr soll der Umsatz nach Schätzungen der "Lebensmittelzeitung" noch einmal zweistellig gewachsen sein, während der Gewinn vor Steuern um etwas fünf Prozent stieg.

Seit 1994 betrachtet Karl Albrecht den Trubel um seine Discountkette aus der Zuschauerperspektive. Er hat die operative Führung an die familienfremden Manager Ulrich Wolters und Horst Steinfeld abgegeben. Auch Sohn Karl Albrecht junior soll sich dem Vernehmen nach aus der Geschäftsführung zurückgezogen haben. Bei Aldi Nord dagegen hält Theo - notgedrungen - nach wie vor alle Fäden selbst in der Hand: Im Gegensatz zum großen Bruder hat er es versäumt, rechtzeitig geeignete Nachfolger aufzubauen.

Zwar sitzen die Söhne Theo junior und Berthold im Verwaltungsrat der Essener Aldi Einkauf GmbH & Co. OHG. Der Vater bleibt aber lebenslang Vorsitzender der einflussreichen Markus-Stiftung in Nortorf, die immmer noch über das Wohl und Wehe von Aldi Nord herrscht. Theo hat also noch eine Weile zu tun, ehe der leidenschaftliche Golfer sich dem gemeinsamen Hobby so intensiv widmen kann wie Bruder Karl.

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