Freitag, 14. Dezember 2018

Josef H. Boquoi "Wir haben's vom Behalten"

Mit einer genialen Geschäftsidee schaffte Josef H. Boquoi den Sprung vom Krämer zum Milliardär: Er verkaufte Tiefkühlgerichte direkt an der Haustür. Jetzt gibt der verschwiegene Bofrost-Chef die Leitung des Unternehmens an einen ehemaligen Aldi-Manager ab.

Hamburg - Der Chef des Tiefkühl-Unternehmens Bofrost, Josef H. Boquoi (69), will sich nach Informationen der "Welt am Sonntag" im kommenden Jahr aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Nachfolger an der Spitze des Direktvertreibers von Tiefkühlkost mit Sitz in Straelen am Niederrhein solle Udo Limberg werden, zuvor unter anderem Manager bei Aldi.

Schockgefrorenes Gemüse: Geheimnis ewiger Jugend?
Bofrost betreibt in Deutschland 3000 Tiefkühl-Verkaufsfahrzeuge. Der Umsatz lag 2002 bei fast 1,1 Milliarden Euro. Europaweit gibt es mehr als 9000 Mitarbeiter.

Begonnen hat die Karriere des Josef H. Boquoi völlig unspektakulär in den fünfziger Jahren. Nach Handelsschule und Kaufmannslehre in Hamburg arbeitete Boquoi seit 1953 bei seinem Vater Jean, in einer kleinen Kaffee- und Kornrösterei in der Nähe von Köln. Nur vier Jahre später, 1957, übernahm er das Geschäft.

Aber der elterliche Betrieb kann so viel Gewinn nicht abgeworfen haben. Denn neben der Rösterei fuhr Josef Boquoi mit einem winzigen Lieferwagen über die unendlichen Weiten der niederrheinischen Tiefebene bis an die holländische Grenze und bot Speiseeis feil. Diese Form der Belieferung mit Nahrungsmitteln war durchaus marktüblich, waren doch in vielen Gegenden Autos, Läden und Telefone Mangelware. Fehlte es an Bargeld, habe Boquoi auch Naturalien für seine Eiscreme entgegengenommen - so jedenfalls weiß es die Legende.

Der Zufall hilft nach

Die Früchte seines Tauschhandels - Bohnen, Erbsen und auch Fleisch - lagerte er in seinem Kühlhaus. Die Überraschung: Noch nach Monaten hatte die Ware nicht gelitten. Im Gegenteil - sie war so frisch, dass Boquoi sie im Winter wiederum an seine Sommerkunden verkaufen konnte. Eine geniale Geschäftsidee war geboren.

Was folgt, ist eine Revolution, die sich ausnahmsweise aus der Provinz in Richtung Stadt fortsetzte - die der Tiefkühltruhe. Wo das Geld für einen eigenen Froster fehlte, wurden in den Dörfern Gemeinschaftskühlhäuser errichtet. Die wurden anfangs mit den Erträgen der Landwirtschaft befüllt, später mit dem Sortiment von Bofrost.

1966 begann Boquoi seine Geschäftsidee professionell umzusetzen. Zusammen mit fünf Mitarbeitern verkaufte er Tiefkühlkost im Direktvertrieb - erst auf Bauernhöfen, später auch an Privathaushalte. 1969 stattete Boquoi seinen ersten Lieferwagen mit einem eigenen Kühlaggregat aus. Es soll ein VW-Kastenwagen mit der Aufschrift "Frische und Genuss direkt ins Haus" gewesen sein.

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