Dienstag, 11. Dezember 2018

Thomas Cook Adieu, schöne Reise

Er galt als deutscher Vorzeige-Manager: Stefan Pichler, ehrgeiziger Thomas-Cook-Chef, hoch dekorierter Marathonläufer, Visionär, Sanierer, Arbeitstier. Jetzt nahm Pichler auf Drängen der beiden Gesellschafter Lufthansa und KarstadtQuelle überraschend seinen Hut.

Berlin/Hannover - Die Führung des zweitgrößten europäischen Reisekonzerns Thomas Cook hat überraschend ihre Ämter niedergelegt.

Stolz in vergangenen Tagen: Stefan Pichler
Vorstandschef Stefan Pichler und sein Finanzchef Norbert Kickum scheiden mit sofortiger Wirkung aus, teilten die beiden Gesellschafter des Unternehmens Lufthansa Börsen-Chart zeigen und KarstadtQuelle Börsen-Chart zeigen nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit. Hintergrund sind nach Angaben aus Kreisen der Gesellschafter Differenzen über die Führung des Reisekonzerns, der in diesem Jahr in Folge der schweren Krise erneut einen hohen Verlust erwartet.

Der Aufsichtsrat der Thomas Cook AG hat kommissarisch den KarstadtQuelle-Manager Peter Gerard zum Vorstandsvorsitzenden und Lufthansa-Vorstandsmitglied Karl-Ludwig Kley zum Finanzvorstand ernannt. Beide haben ihre Aufsichtsratsmandate bei Thomas Cook niedergelegt, bleiben aber Vorstandsmitglieder bei KarstadtQuelle beziehungsweise der Lufthansa. Von der bisherigen Cook-Führung bleibt lediglich Produktvorstand Peter Fankhauser.

Blindflug mit Notlotsen

Nach dem Ausscheiden von Pichler und Kickum wollen Lufthansa und KarstadtQuelle "zeitnah einen neuen Vorstand bestellen", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Die beiden Gesellschafter stellen jetzt sicher, dass ein neues Budget erarbeitet und damit die Weichen für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Thomas Cook in dem schwierigen Reisemarkt gesichert würden, so der Sprecher weiter. Zur Geschäftslage und dem erwarteten Jahresverlust sowie zu weiteren Inhalten der Aufsichtsratssitzung vom Vorabend wollte er sich nicht äußern.

Bei Thomas Cook wurde die Nachricht über den Vorstandswechsel mit Überraschung aufgenommen. Allerdings gab es im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung zahlreiche Spekulationen in der Reisebranche über eine mögliche Abberufung Pichlers. Der frühere Lufthansa-Manager, der seit März 2001 an der Spitze des Reisekonzerns steht, verlässt das Unternehmen genau einen Tag vor seinem 46. Geburtstag am Freitag.

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