Mittwoch, 12. Dezember 2018

Thomas Middelhoff Die neuen Leiden des alten Bertelsmann

Vor fast eineinhalb Jahren überwarf sich der damalige Bertelsmann-Chef mit dem Firmenpatriarchen in Gütersloh. Monatelang plante er im Stillen seine Rückkehr in die Führungsverantwortung. Nun plötzlich ist Middelhoff wieder präsent - mehr, als ihm lieb ist.

München/London/Santa Barbara - Gerade in der Medienindustrie, wetterte der Redner, liefen "häufig alle wie eine Lämmerherde in die gleiche Richtung", den deutschen Medienunternehmen fehle "ein mutiges Programm zur strategischen Neuausrichtung". Auf dem "Zukunftsgipfel" der Münchner Medientage trat eine Persönlichkeit auf, die viele schon für einen Mann der Vergangenheit gehalten hatten. Es war Thomas Middelhoff (50), einst, zu Zeiten der New Economy, Vorstandschef des Medienriesen Bertelsmann.

 Schwingt auf vielen Baustellen die Schaufel: Thomas Middelhoff
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Schwingt auf vielen Baustellen die Schaufel: Thomas Middelhoff
Im Juni 2002 knallte es, der Vorzeigemanager, der aus dem betulichen Medienhaus einen Senkrechtstarter in die Zukunft machen wollte, überwarf sich mit der Eigentümerfamilie. Firmenpatriarch Reinhard Mohn erklärte ihn zur Unperson und übte sich in beredtem Schweigen, wenn es um den früheren Vertrauten ging. Viele der Internetprojekte, die Middelhoff auf den Weg gebracht hatte, verglühten im Fegefeuer der Konsolidierungen.

Monatelang wurde es still um den einstigen Shootingstar. Viele glaubten schon, auch seine Talente - das unternehmerisch Visionäre, die nicht uncharmante Selbstdarstellung in den Medien und die kühle Ratio - seien nichts als Blendwerk gewesen.

Mal hieß es, er solle die Deutsche Telekom führen, dann, er organisiere künftig das Weltwirtschaftsforum in Davos. Im Juni dieses Jahres dann tauchte Middelhoff tatsächlich wieder auf, als Partner des angelsächsisch-arabischen Private-Equity-Unternehmens Investcorp. Nicht umsonst empfahl er vergangene Woche auf den Münchner Medientagen den deutschen Verlagen, Zukunftsinvestitionen durch Private-Equity-Beteiligungen zu ermöglichen.

Website der Private-Equity-Gruppe Investcorp: In Deutschland beteiligt an Gerresheimer Glas und Minimax
Seit dem Comeback bei Investcorp steht Middelhoff im Rampenlicht, und es ist erstaunlich, auf wie vielen Baustellen gleichzeitig er die Schaufel schwingt: Der Medienexperte mit exquisiten internationalen Kontakten wurde in das Board of Directors der New York Times berufen; für die Leipzig 2012 GmbH, bei der er einen Aufsichtsratsposten hat, soll er bis Mitte November eine neue und integre Führungsfigur finden, die dem Olympia-Projekt nicht wieder skandalöse Schlagzeilen beschert; nebenher ist er Zeuge in einem Prozess in Kalifornien, in dem zwei ehemalige Bertelsmann-Manager dem Medienkonzern ans Eingemachte wollen.

Mehr als genug zu tun - Interviewanfragen des sonst überhaupt nicht Medienscheuen werden abschlägig beschieden. Mit einem Seufzer seiner Assistenten: "Es ist schon sehr viel zurzeit."

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