Freitag, 15. Dezember 2017

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Die Malik-Kolumne Darf man Fehler machen?

"Aus Fehlern wird man klug", lautet ein weit verbreiteter Irrglaube unter Managern. Unternehmen, die ihren Führungskräften großzügig Verfehlungen zugestehen, verfolgen allerdings die falsche Strategie. Denn Fehler sind nicht nur dumm, sondern auch verantwortungslos und unprofessionell.

Immer wieder treffe ich Manager - auch hochrangige - die mir mit offenkundigem Stolz berichten, dass man in ihrer Firma Fehler machen dürfe. Sie tun es mit der sichtbaren Überzeugung, dass das ein Beweis besonderer Fortschrittlichkeit sei.

Management-Profi jenseits von Moden:   Fredmund Malik
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Management-Profi jenseits von Moden:
Fredmund Malik
Früher habe ich mit solchen Leuten ernsthaft diskutiert. Heute stelle ich ihnen ein paar Fragen: Würden Sie in ein Flugzeug steigen, wenn sie wüssten, dass diese Airline stolz darauf ist, dass die Piloten Fehler machen? Würden Sie Ihre Frau, Ihre Kinder oder Eltern in ein Krankenhaus bringen, in dessen Leitbild steht, dass man Fehler machen darf? Und würden Sie die Medikamente eines Pharmaunternehmens kaufen, das das Fehlermachen hochhält?

Die Antwort darauf ist ausnahmslos: Ja, so habe ich das nicht gemeint. - Nun, wie denn dann? Es ist bemerkenswert, wie viel Unsinn sich in den letzten Jahren in die Managementlehre einschleichen konnte, und wie unkritisch Führungskräfte sein können - immerhin Leute, denen volkswirtschaftliche Ressourcen anvertraut sind und das Schicksal von Menschen.

Ein Freibrief ist gefährlicher Schwachsinn

Manche kommen sich dann ganz weise vor, wenn sie differenzieren: Fehler darf man machen, aber nie denselben zweimal. Das ist - zugegeben - schon etwas besser. Aber es ist noch immer Unsinn. Es gibt Fehler, die man überhaupt nicht machen darf, auch nicht ein einziges Mal. Wie oft darf ein Apotheker ein falsches Medikament aushändigen?

Häufig wird eine andere Variante bemüht: Fehler darf man machen, aber man muss aus ihnen lernen. Nach allem bisher Gesagten kann man auch das nicht gelten lassen. Es nützt dem Patienten wenig, wenn eine Krankenschwester aus ihrem Fehler lernt, nachdem sie ihn mit einer verwechselten Spritze umgebracht hat.

Dass in einer Welt, in der es Menschen gibt, immer Fehler vorkommen werden, ist eine Tatsache, mit der man leben muss. Daraus aber einen Freibrief zu machen, darauf stolz zu sein und das als besonderen Managementfortschritt anzusehen, ist gefährlicher Schwachsinn. Fehler darf man nicht machen - das ist die Maxime, die im Management zu gelten hat, und das ist die Basis, von der prinzipiell auszugehen ist.

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