Montag, 17. Dezember 2018

Familie Hardenberg Bedachtvoll und geistreich

2. Teil: "In NRW weiß man nicht, wo Sachsen liegt"

"In NRW weiß man nicht einmal, wo Sachsen liegt"

Denn die Zahl der Marken ist Teil des Erfolgs. "Jede Marke braucht ihre Welt", erklärt Hardenberg und man könnte hinzufügen: Jede Welt braucht ihre Marke. Denn bei kaum einer anderen Produktgruppe bestehen so starke regionale Bindungen wie bei Spirituosen.

Die meistgeschluckte Spirituose Deutschlands: Wilthener Goldkrone
Den Keiler und seine hochprozentigen Regalnachbarn zum Beispiel kippt man am liebsten im Nordwesten Deutschlands. Für die größten Umsätze aber sorgt die Wilthener Goldkrone, mit 26 Millionen verkauften Flaschen pro Jahr die Nummer eins unter den deutschen Spirituosen.

Die Hardenbergs haben die sächsische Brennerei in Wilthen nach dem Mauerfall 1992 gekauft und nach wie vor fließen rund 70 Prozent der Goldkrone durch ostdeutsche Kehlen. Dafür tun sich die Wilthener Produkte vor allem in Nordrhein-Westfalen schwer. "Aber da weiß man ja nicht mal, wo Sachsen liegt", lacht der Graf.

Egal ob am Stammtisch, auf dem Marktplatz oder im eigenen Wohnzimmer - Spirituosen sind ein Stück Heimat. Vielleicht ist das Erfolgsrezept der Hardenbergs, dass sie ihren Stammsitz nie aufgegeben haben: Was Heimat bedeutet, muss ihnen keiner erzählen. Und in ihrer Branche werden damit Marken definiert.

Den Kunden nicht "seiner" Marke berauben

Viele westdeutsche Betriebe hätten in dieser Hinsicht große Fehler gemacht, als sie in die neuen Bundesländer gingen, befindet Hardenberg. Zum Teil entwarfen sie komplett neue Designs und verloren auf einen Schlag ihre gesamte Stammkundschaft. Die Hardenbergs dagegen haben ihre Marken zurückhaltend modernisiert.

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Eine Etikettenänderung allerdings machte Schlagzeilen. Den Fruchtsaftlikör "Sambalita" zierte zu DDR-Zeiten noch eine barbusige Schöne. Dann wurde 2000 das Design überarbeitet. Seither bleibt die Bluse zu, obwohl der Alkoholgehalt nicht nachgelassen hat.

Jeden Verdacht, dahinter könnte ein optisches Reinheitsgebot stecken, weist Hardenberg jedoch von sich: "Wir haben eine Reihe verschiedener Entwürfe von Marktforschern in Halle und Leipzig testen lassen und da waren auch Etiketten mit blankem Busen dabei."

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