Mittwoch, 19. Dezember 2018

Müller-Milch Sag beim Abschied leise grüezi

Theo Müller richtet noch einmal das Wort an Deutschland, bevor er in die Schweiz abwandert. Dabei nennt er nicht nur die Summen, die ihn die deutsche Erbschaftsteuer andernfalls kosten würde. Er droht auch erstmals öffentlich damit, den Unternehmenssitz ins Ausland zu verlagern.

Leppersdorf - Der bayerische Molkerei-Unternehmer Theo Müller hat nun doch mit einer Verlagerung der Konzernspitze in die Schweiz gedroht. Zugleich verteidigte der Unternehmer seine Entscheidung, wegen der Erbschaftsteuer in die Schweiz umzuziehen.

 Die Rettung liegt hinter den Bergen: Familie Müller zieht in die Schweiz
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Die Rettung liegt hinter den Bergen: Familie Müller zieht in die Schweiz
"Ich kann nicht akzeptieren, dass es diese Steuer in Deutschland gibt", sagte Müller am Montag in Leppersdorf bei Dresden. Sollte sich die Situation ändern, kehre er nach Deutschland zurück. Müller ist Alleingesellschafter der Müller-Milch-Gruppe mit Sitz in Aretsried bei Augsburg.

Nach Müllers Angaben müssten seine Erben derzeit rund 200 Millionen Euro Schenkungs- und Erbschaftssteuer auf das Betriebsvermögen zahlen. "Das ist extrem existenzgefährdend für ein Unternehmen, in dem eigentlich alles in Ordnung ist." Müller zieht ab 15. November mit seiner Familie in ein Haus bei Zürich. "Ich befolge den Rat meiner Berater und mache keine krummen Sachen", sagte Müller, der das Unternehmen von seinem Vater übernommen hat. Die in Deutschland erzielten Gewinne blieben hier weiter voll steuerpflichtig.

"Familienunternehmen schlechter gestellt als AGs"

Müller hat nach eigenem Bekunden an die Politik appelliert, neue Regelungen für Familienunternehmen zu erlassen. "Es kann nicht sein, dass diese Unternehmen gegenüber Aktiengesellschaften benachteiligt werden", betonte Müller. Andere europäische Länder wie England hätten diese negativen Folgen abgeschafft. "Ich habe nur zwei Alternativen: Entweder investiere ich oder schaffe Rückstellungen zur Bezahlung der zu erwartenden Erbschaftsteuer. Beides geht nicht."

Die Müller-Milch-Gruppe mit den Unternehmen Müller-Milch, Sachsenmilch, Weihenstephan, der Käserei Loose sowie einer Spedition und einer Verpackungsfirma konnte 2002 einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro erreichen. In diesem Jahr wird mit 1,9 Milliarden Euro gerechnet. Rund 4500 Mitarbeiter sind in den Werken in Aretsried, Leppersdorf, Freising und in England beschäftigt. Kritik, wonach er Subventionen für das Milchwerk Leppersdorf in Anspruch nahm, wies Müller zurück. Daran sei er nicht reich geworden. "Ohne Subventionen hätte es das Werk nicht gegeben", betonte der Unternehmer.

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