Donnerstag, 15. November 2018

Olympia und Stasi Thärichen gibt nach

Dabei sein ist alles - das olympische Motto stellt Dirk Thärichen zurück. Der Chef der Leipziger Olympia-Bewerbung zieht sich zurück, nachdem behauptet worden war, er habe für die Stasi gearbeitet.

Leipzig - Dirk Thärichen zieht Konsequenzen aus der tagelangen Diskussion um seine angebliche Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst der DDR. Der Geschäftsführer der Leipzig 2012 GmbH gab dem öffentlichen Druck nach und erklärte in Lausanne, dass er seine Funktion ruhen lässt.

 Geht aus der Schusslinie: Dirk Thärichen
DPA
Geht aus der Schusslinie: Dirk Thärichen
Klaus Steinbach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Leipzig 2012 GmbH, gab am Sitz des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in der Schweiz den Entschluss Thärichens bekannt. Dort hält sich eine Delegation des deutschen Olympia-Bewerbers gegenwärtig zu einem Arbeitstreffen mit den anderen Bewerberstädten auf.

Er wolle mit seiner Entscheidung Schaden von der deutschen Bewerbung abwenden, begründete Thärichen gegenüber Steinbach seinen Entschluss. Dieser wurde von Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) in einer ersten Reaktion respektiert. Seit vergangenen Freitag war der 33-jährige Thärichen ins Rampenlicht gerückt, nachdem die Tageszeitung "Die Welt" Auszüge aus der Stasi- Akte des Managers veröffentlicht hatte. Danach war er noch im Wendeherbst 1989 in das Wachregiment "Felix Dzierzynski" eingetreten, das direkt dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt war.

Stasi-Tätigkeit bestritten

Thärichen bestritt eine direkte Zugehörigkeit zur Stasi immer wieder. Details aus der Stasi-Akte des Ökonoms zeigten nach Darstellung der "Welt" jedoch, dass er mit Vorteilen aus seiner Verpflichtung rechnen durfte.

Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB) und Mitglied des Aufsichtsrates, Manfred von Richthofen, wertete die Entscheidung als "gut und im Sinne des Nachvornblickens". Er sowie alle anderen Mitgesellschafter und Aufsichtsratsmitglieder tragen die Entscheidung mit. "Dies ist wichtig für den innerdeutschen Bereich. International hat die Sache kaum eine Bedeutung, da das IOC mit dieser Problematik kaum vertraut ist", sagte von Richthofen.

Die Aufsichtsratssitzung am 18. Oktober in Düsseldorf bekommt mit dem Fall Thärichen nun eine immer größere Brisanz. Entschließt sich das Gremium, dem Leipziger das Amt zu entziehen, muss schnellstens Ersatz gefunden werden. Schließlich war Thärichen der "Macher" im Hintergrund. Er trieb die Planungen voran, war gegenwärtig damit befasst, den Fragebogen des IOC zu beantworten.

Gerald Fritsche, DPA

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