Montag, 17. Dezember 2018

Türkische Raubritter Märchen aus 1001 Nacht

2. Teil: Grenzüberschreitung mit furchtbaren Folgen

Grenzüberschreitung mit furchtbaren Folgen

Cem war es, der das eherne Stillhalteabkommen zwischen Wirtschaft und Regierung brach und sich so den Unmut der politischen Elite zuzog. Als eines der wenigen noch freien Familienmitglieder gründete er im vergangenen Jahr die rechtskonservative Jugend-Partei.

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Ziel des Rechtspopulisten sei es, mit dem Sprung ins Parlament strafrechtliche Immunität zu erlangen, mutmaßten seine Feinde. Das aber hinderte den Emporkömmling, den ehemalige Kameraden als ungehobelten Rüpel bezeichnen, nicht an seinen Plänen.

Er überzog das Land mit einem Werbefeldzug, der Berlusconi vor Neid hätte erblassen lassen. Der Wahlkampf mit den hauseigenen Medien verfehlte sein Ziel nicht: Aus dem Stand kam die Jugend-Partei auf sieben Prozent. Der Einzug ins Parlament blieb ihr jedoch verwehrt.

Neben der politischen Niederlage und dem daraus resultierenden Machtverlust litten die Uzans im Zuge der Wirtschaftsflaute unter massiven Problemen. So verurteilte ein New Yorker Gericht die Industriellenfamilie Anfang August zu einer Strafe in Höhe von 4,25 Milliarden Dollar, zahlbar an den Telekomausrüster Motorola. Statt ein Darlehen in Höhe von rund 2,7 Milliarden Dollar in den Aufbau des Mobilfunknetzes von Telsim zu investieren, hätten es die Uzans nach Ansicht des Richters Jed S. Rakoff "persönlich verprasst".

Persona non grata

Der Jurist sprach in seiner Urteilsbegründung von einer "nahezu endlosen Serie aus Lügen, Drohungen und Täuschungen". Außer der saftigen Geldstrafe müssen die Uzans 73,5 Prozent ihrer Anteile an Telsim dem Gericht überantworten. Zudem drohen fünf Mitgliedern des Clans Haftstrafen, sollten sie jemals wieder das Staatsgebiet der USA betreten.

Außerdem verklagten immer häufiger geprellte Geschäftspartner den Clan, der Ruf der Familie litt zusehends. Als ruchbar wurde, dass die Imar-Bank ihre Einlagen in Milliardenhöhe auf Offshore-Konten transferiert hatte, kochte Volkes Seele. Erboste Kunden demonstrierten vor den Toren des Instituts.

Denn auf Offshore-Banken sind die Mittel nicht mehr durch den türkischen Einlagensicherungsfonds gedeckt, der bei Bankenpleiten einspringt. Seitdem die Regierung den Uzans im Juli wegen ausgebliebener Zahlungen die Kraftwerkslizenzen entzogen hat, fehlen die Einnahmen aus dem Stromverkauf. Der Bank droht die Pleite.

Der jüngste Skandal allerdings dürfte das Imperium der Uzans endgültig zum Einsturz bringen. Nach Informationen der "Financial Times" unterschlug die Imar-Bank 5,2 Milliarden Euro. Die Summe entspricht drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Angaben der türkischen Finanzaufsicht benutzte der Uzan-Clan ein spezielles Computerprogramm, um den Betrag seit 1994 Stück für Stück auf diverse Konten zu transferieren.

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