Freitag, 16. November 2018

Flowtex Elf Jahre Haft für "Big Manni"

Psychologen hatten Manfred Schmider zwar ein "Harry-Potter-Phänomen der halluzinatorischen Wunscherfüllung" bescheinigt. Dennoch ist er für den größten Wirtschaftsskandal der deutschen Geschichte voll verantwortlich. Nachdem er nun die Revision zurückzog, wird die Haftstrafe von elf Jahren rechtskräftig.

Mannheim - Im milliardenschweren Flowtex-Betrugsskandal gibt Ex-Firmenchef Manfred Schmider den Widerstand gegen seine hohe Haftstrafe auf. Die Verteidigung des ehemaligen Firmenchefs zog am Dienstag den Antrag auf Revision zurück.

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Damit ist das Urteil nach Angaben des Mannheimer Landgerichts rechtskräftig. Schmider, genannt "Big Manni", war in zweiter Instanz von der Wirtschaftsstrafkammer im Mai zu elfeinhalb Jahren Haft wegen umfassender Scheingeschäfte mit nicht vorhandenen Bohrgeräten verurteilt worden.

Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil im ersten Prozess wegen möglicher Befangenheit der Mannheimer Richter im Strafmaß aufgehoben. Bei der Neuauflage war die Kammer jedoch nur sechs Monate unter dem ersten Urteil vom Dezember 2001 geblieben. Das Ettlinger Unternehmen hatte 3000 nicht vorhandene Horizontal-Bohrgeräte an Leasingfirmen verkauft. Der strafrechtlich relevante Schaden beläuft sich auf mehr als zwei Milliarden Euro. Damit gilt der Betrug als größter Fall von Wirtschaftskriminalität in Deutschland.

Die Schmider-Anwälte hatten ihren Revisionsantrag damit begründet, dass die Richter neue Erkenntnisse über die Rolle der baden- württembergischen Finanzbehörden nicht ausreichend berücksichtigt hätten.

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Der ehemalige Vorzeigeunternehmer aus dem Südwesten hatte im zweiten Prozess den Behörden eine entscheidende Mitschuld an den Betrügereien gegeben und ihnen vorgeworfen, diese gedeckt zu haben. Im ersten Verfahren hatte Schmider noch alle Schuld auf sich genommen.

Mit Spannung wird nun am Mittwoch Schmiders Auftritt als Zeuge vor dem Flowtex-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags erwartet. Schmider war bereits im Oktober vergangenen Jahres als Zeuge vor dem Ausschuss erschienen, hatte aber eine Aussage verweigert.

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