Freitag, 16. November 2018

Helmut Greve "Kaufen, bauen, nie verkaufen"

Auf zwei Trümmer-Grundstücken gründete er 1950 das Fundament seinen Immobilienreichs. 80-jährig plant Helmut Greve weiter ein Projekt nach dem anderen und spendet großzügig, wo er nur kann - und trifft dabei auf einigen Widerstand.

Wenn er will, liegt ihm die Welt zu Füßen. Eine Welt, in der Menschen auf Stecknadelgröße und Lastwagen auf Matchbox-Modell schrumpfen. Eine Welt, in der seine Besitztümer in einem Blickwinkel liegen. Eine Welt, die er, hier oben im 17. Stockwerk seiner Hamburger Konzernzentrale, mittels seines ellenlangen Messingfernrohres heranzoomen kann.

Bauherr, Mäzen und Honorarkonsul: Helmut Greve
Unten in der Eingangshalle des Turms ist Schlichtheit Trumpf. Der Pförtner wirkt in der kahlen riesigen Halle etwas verloren, eine große Tafel zeigt an, wer hier alles gemietet hat. Das Schild des Hausherrn ist dabei nicht größer als die der Mieter. Hier also residiert er, der Professor Dr. Helmut Greve (80), Hamburger Immobilienkaufmann und Mäzen.

Irgendwann in den neunziger Jahren schuf er den verspiegelten Wolkenkratzer, zu deren Seiten sich ein Kranz aus Backsteinzeilen auftürmt. Drumherum Parkplätze, Betonflächen. Innen drin hat sogar eine Passage Platz gefunden. Ein Supermarkt, Weinladen, Reinigung und Schuhmacher: Helmut Greve muss zum Einkaufen nicht vor die Tür gehen. Das Ganze liegt idyllisch an einem Seitenarm der Alster, erstreckt sich quasi als Stadt in der Stadt. Passenderweise taufte der gebürtige Hamburger Ende der Neunziger Jahre sein Reich "AlsterCity".

Staatsexamen mit Prädikat

Zu diesem Zeitpunkt ist Greve längst Milliardär. Mindestens 20 Einzelfirmen, darunter die "Dr. Helmut Greve Bau und Boden AG", mit einem Umsatz im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, gehören zu seinem Imperium. Das Geschäftsziel: Das Errichten von Bürohäusern und Einkaufszentren.

Vor über 50 Jahren war diese Entwicklung keineswegs abzusehen. Angefangen hatte der Marineoffizier a. D. ohne großen Besitz, nur mit zwei Trümmer-Grundstücken, die ihm sein Vater hinterließ.

Schon während des Studiums der Rechts- und Staatswissenschaften - er legte das erste juristische Staatsexamen mit Prädikat ab - und der anschließenden Promotion gründete er erste Immobilienunternehmen und erwarb Grundstücke. Von Anfang an seiner Seite: Ehefrau Hannelore, mit der er seit 1944 verheiratet ist.

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