Donnerstag, 15. November 2018

Alexander Falk Millionär, patentgefaltet

Das Erbe seines genialen Vaters machte Alexander Falk vermögend, und dank des Neuen Marktes wurde er zum Multimillionär. Ob er das bleibt, ist ungewiss. Seit Pfingsten sitzt der Hamburger in Untersuchungshaft - wegen Verdachts auf Börsenschwindel.

Anleger, Kleinaktionäre zumal, sind ein merkwürdiger Menschenschlag. Wer daran jemals zweifelte, ist seit dem Ende der neunziger Jahre eines Besseren belehrt. In einem Akt kollektiver Besoffenheit stürzten sich die Börsianer damals auf jede Aktie, die nach "New Economy" aussah, zersägten in der Folge ein Milliardenvermögen und trösteten sich am Ende, als wirklich gar nichts mehr zu retten war, mit dem altbewährten Kalauer: "Das Geld ist ja nicht weg - es hat jetzt nur ein anderer."

Sein Vater hinterließ ihm ein Millionenvermögen: Alexander Falk
Ganz falsch lagen sie damit nicht, makroökonomisch betrachtet. In manchen Fällen lässt sich sogar eruieren, wer dieser "Andere" ist. Nehmen wir nur die Firmen Ision Börsen-Chart zeigen, Energis, Hornblower Fischer Börsen-Chart zeigen und Distefora Börsen-Chart zeigen. Alle vier Gesellschaften galten einst als große Hoffnungsträger, ihr Aktienkurs schien förmlich nicht zu bremsen, und als die Börsenparty sich dem Ende neigte, blieb nur der Gang zum Insolvenzgericht.

Die meisten Anteilseigner traf der jähe Absturz hart, fast alle mussten ihr Investment wertlos abschreiben - aber eben nur fast alle. Einige wenige, die etwas schlauer waren, kamen glimpflicher davon und konnten ihren Reichtum aus der virtuellen Welt der "New Economy" ins reale Hier und Jetzt hinüberretten. Womit wir bei Alexander Falk wären.

Der Geistesblitz mit der "Patentfaltung"

Um zu erklären, wie es dazu kam, ist ein kleiner historischer Exkurs vonnöten. Vor 58 Jahren, im November 1945, hatte der Berliner Gerhard Falk in Hamburg-Bergedorf eine bahnbrechende Idee, mit der er Kartographie-Geschichte schrieb. Der damals 23-Jährige entwickelte den nach ihm benannten Falk-Plan, der dank seiner "Patentfaltung" selbst große Karten übersichtlich machte.

Auch wenn das Falten der bedruckten Bögen mit mühseliger Handarbeit verbunden war (erst 1982 wurde auf Maschinen umgestellt), war der Siegeszug des Systems nicht aufzuhalten. Bereits 50 Jahre später hatte der Verlag weltweit rund 100 Millionen Falk-Falter verkauft.

[M] DDP; DPA; mm.de
Von Siegern und Verlierern

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Als der geniale Gründer 1978 einem Herzinfarkt erlag, ging seine Firma in der Folge an die Kinder über. Drei gab es davon, zwei Töchter und Sohn Alexander, geboren Juli 1969. Und wie sich das für eine ordentliche Unternehmerfamilie gehört, trat Letzterer bald in die Fußstapfen des Vaters - allerdings mit einer etwas anderen Philosophie. "Stadtpläne auf Papier", so ließ Erbe Alexander wissen, "das hat im Internetzeitalter keine Zukunft. Dafür wird im Jahr 2005 keiner mehr Geld ausgeben."

Für ihn selbst galt das übrigens damals schon, wie er der "Welt am Sonntag" anvertraute. Falk wörtlich: "Ich benutze nicht einmal Stadtpläne. Wenn ich nicht mehr weiterkomme und niemanden fragen kann, dann fahre ich an die Tankstelle, gucke mir schnell den Plan an und lege ihn unauffällig zurück."

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