Freitag, 16. November 2018

Frank Steffel Der beinaheste ranghohe Politiker

Weil die Berliner ihr Kreuzchen an der falschen Stelle machten, kann Ex-Bürgermeisterkandidat Frank Steffel bald nicht mehr Lottobeirat spielen. Die peinliche Begründung: Das dürfen nur ranghohe Politiker. Noch peinlicher aber ist die Art, wie sich der eloquente Raumausstatter an dem Pöstchen festbeißt.

Berlin - Eigentlich ist die Regelung ganz klar: Die Mitgliedschaft im Stiftungsrat der Deutschen Klassenlotterie Berlin ist ranghohen Politikern vorbehalten. Doch ranghoch ist Frank Steffel nur beinahe. Daher rätselt die Hauptstadt seit Wochen: Was hat er dort verloren?

 Tränenreicher Abschied: Frank Steffel wird den Lottobeirat vermissen
DPA
Tränenreicher Abschied: Frank Steffel wird den Lottobeirat vermissen
Wir erinnern uns: Steffel, seines Zeichens Raumausstatter, wollte mal Regierender Oberbürgermeister der Stadt Berlin werden. Das verhinderten anno 2001 die Wähler, die sich für Klaus Wowereit entschieden. Zudem war Steffel mal Chef der Berliner CDU und bis vor kurzem ihr Fraktionsvorsitzender im Roten Rathaus.

An sich genug für einen Posten in dem Gremium. Im Lottobeirat sitzen Leute wie Justizsenatorin Schubert, Kultursenator Flierl, SPD-Fraktionschef Müller, die stellvertretende PDS-Fraktionsvorsitzende Freundl und der Regierende Bürgermeister Wowereit. Sie alle entscheiden über die Verteilung von Lotto-Überschüssen in Höhe von jährlich 85 Millionen Euro an Sportvereine, Schulen, Kulturprojekte und soziale Einrichtungen.

Nachdem Steffel jedoch im Führungsstreit seiner Fraktion den Kürzeren zog, müsste er konsequenterweise seinen Stuhl im Lottobeirat freimachen. Aber, wie der "Tagesspiegel" kürzlich schon zu Recht unkte, "ein bisschen Fraktionsvorsitzender ist er immer noch." Warum, das lässt sich nicht so einfach klären.

EU-Abgeordneter und Bundespräsident - fast

Immerhin, Steffel bekleidet weiterhin das Amt des Kreisvorsitzenden der CDU Reinickendorf. Er war auch schon Kandidat für das Europäische Parlament. Zumindest gerüchtehalber im Blätterwald der Hauptstadt. Mehr noch, er führte monatelang die Liste der unbeliebtesten Politiker Berlins an. Summa summarum: eine wichtige Persönlichkeit des politischen Biotops Berlin.

Steffel selbst argumentiert getreu dem Konzept "Besser ich als ...". Das hatte ihn schon mal beinahe ins Amt des Bundespräsidenten gebracht. Damals sagte Helmut Kohl: "Besser der als der Schäuble." Präsident wurde dann Johannes Rau. Besser war das. Und für Steffel höchst beinahe.

Besser der als ...

Steffel also findet: Besser ich im Lottobeirat als gar kein CDU-Politiker. Auch wieder wahr. Nur, dass sein Nachfolger als Fraktionschef, Nicolas Zimmer, auch für diesen Posten bereitsteht. Und um seine Chancen muss Zimmer nicht fürchten, das stellt schon das Bestallungsprozedere sicher.

Der Frust über Steffel, den beinahesten ranghohen Politiker Berlins, ist deshalb groß, auch in der CDU. Heute endlich frohlockt die "Berliner Morgenpost", Steffel wolle den Lottobeirat verlassen. Besser spät als nie, ist man geneigt zu sagen.

Bleibt noch der Rundfunkrat. Gleiche Regelung, gleiches Problem - gleiche Ausrede? Steffel hat sich dazu noch nicht geäußert. Besser, er macht das bald.

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